Konsequenzen für antifaschistische Partisanen deutscher Herkunft

Daß in jedem Deutschen ein potentieller Nazi steckt, ist für stramme Antifaschisten ausgemachte Sache. „Deutschland verrecke!“ schallt es oft und laut, wenn die Verteidiger der Unterdrückten sich zusammenfinden. Doch welche Handlungsmaximen ergeben sich daraus? Von Markward von Annweiler

Ein gewaltbereiter Gärtner, Garstiges googelnd, mag leicht auf eine Seite mit Berichten über  sogenannte „Ausländerkriminalität“ gelangen. Der Hass des Kleinbürgers artikuliert sich dann in Diskussionsbeiträgen, die auf Seiten wie Welt Online ins Netz gestellt werden, wenn levantinische Jünglinge mal wieder Hand an einen deutschen Ureinwohner gelegt haben. Höchst selten wagen es die sich Empörenden, öffentlich zu demonstrieren. Stattdessen klagt und meckert man in der Anonymität des Internets: „Armes Deutschland“. gens garrula in angulis: ein Völkchen, geschwätzig in Winkeln, schweigend in der Öffentlichkeit.

Auf der linken Seite kann von Triebstau natürlich nicht die Rede sein. Mit frivoler Vermessenheit erfindet ein Schriftsteller Plüschhasen mit jüdisch klingenden Namen und Brille, die den Kapitalismus kritisieren. Hinter der kapitalistischen Verwertungsgesellschaft lauern bekanntlich Faschismus und institutionalisierter Rassismus. Unermüdlich daher der Kampf der Kölner Antifaschisten: an jedem Laternenpfahl fordert die Linkspartei mutig: „Nazis stoppen“, auf jeder Unitoilette werden „Nazis auf Korn“ genommen, oder es wird gar zum Hallali auf die verhaßten, bornierten Stiefelträger geblasen: „Auf zur Nazi hunting season“ heißt es unter dem Abbild eines mit einer Schleuder bewaffneten Autonomen. Wer so spricht, scheint doch tatsächlich gegen die Nazis zu sein! Sie sind also wirklich – ihre Aufkleber und Pamphlete schreien es ja heraus – gegen eine Ideologie, die die Ermordung wehrloser Menschen gebietet!

Angesichts dieses tapferen, auf wahrhaft tiefschürfender politischer Analyse fußenden Kampfes muß jegliche Kritik verstummen. Hier endet die menschliche Weisheit, es bleibt nur noch schiere Bewunderung. Denn hinter diesen nur scheinbar schlichten Parolen stecken wohl nicht nur scharfsinnige politische Denker, sondern auch technisch versierte, hochintelligente Quantenphysiker. Anscheinend ist es ihnen gelungen, eine Zeitmaschine zu konstruieren und ins Jahr 1945 zurückzureisen. Schwarzgekleidete Castle-Wolfenstein-Veteranen und Inglorious-Basterds-Gucker machen unerbittlich Jagd auf versprengte Einheiten der Waffen-SS… und geradezu davidhaft sind sie dazu nur mit Schleudern bewaffnet! Von nun an wird Bombe mit Schleuderstein vergolten!

Solche „retro resistance activity“ sollte noch weiter ausgeweitet werden. Ich würde vorschlagen, auch mal eine Kampagne gegen preußische Gutsbesitzer zu starten. Schluß mit der Leibeigenschaft! Schlagt die Schinder, wo ihr sie trefft! Oder ist man auf leichtere Jagdbeute aus? Bei der Einweihung eines islamischen Gotteshauses trauen sich vielleicht wieder einige Pro-Kölner aus der Deckung.  Wahrlich, der Pro-Kölner der Hirsch, der Antifaschist der Wolf!

In der Zwischenzeit muß man sich, wenn es an jagdbarem Braunwild mangelt, eben mit Aufrufen zur (Privat-) Zensur begnügen. Philtrat, die Zeitung der StudentInnenschaft der Philosophischen Fakultät der Uni Köln, gibt nützliche Hinweise (1). Ein Arabistik-Professor der Freien Universität Berlin hat doch tatsächlich „Schwarzafrika“ gesagt! Erschütternd. Da muß selbstverständlich „AK Uniwatch“ eingreifen, um den rassistischen Apologeten des Kolonialismus zur Rede zu stellen. Doch zum Kampf gegen den so offen zu Tage tretenden Rassismus der Dozenten ist ein „offizielles Regelwerk“ mit „Standards“ notwendig. „Lehrende, die sich nicht an diese Standards halten wollen, müssen gegebenenfalls auch von der Uni entfernt werden können.“ Von Berliner Antifaschisten lernen heißt siegen lernen. Für Köln würde sich da doch die Schaffung eines „autonomen Überwachungsreferats“ anbieten! „Die Revolution of Color, in der sich alle People of Color, also Nicht-Weiße, vereinen im Kampf gegen weiße Dominanzstrukturen“ darf sich allerdings nicht mit „verbaler antirassistische Kriegsführung“ begnügen, wie die besagte Philtrat zu meinen scheint (2) .

In Berlin-Neukölln und Kreuzberg zum Beispiel setzen sich Menschen türkischer und arabischer Herkunft immer häufiger erfolgreich gegen die Diskriminierung durch die Deutschen zur Wehr. Der revolutionäre Kampf gegen die weiße Dominanz wird dort nicht nur an den Schulen gegen Schüler deutscher Herkunft geführt (3). Jugendliche mit Migrationshintergund leisten auch erfolgreich Widerstand gegen Polizisten, wenn diese Büttel des kapitalimperialistischen, rassistischen Systems der BRD wegen sogenannter „Vergehen“ oder „Verbrechen“ Anzeige aufnehmen wollen (4). Was da Verbrechen genannt wird, ist nur ein legitimer Protest gegen die unsozialen Verhältnisse! Das muss auch dem letzten Deutschen klargemacht werden, wenn er verprügelt wird, weil er einen Araber / Türken zu lange angeschaut hat. Der Spruch von Vertretern der Linkspartei, den sie auf  einer Demonstration in Berlin mit sich führten („Deutsche raus aus Berlin“),

ist da bei weitem nicht radikal genug. Die gute alte Parole „Deutschland verrecke“ ist wesentlich besser.  Sie muß aber auch endlich konsequent umgesetzt werden! Mein Vorschlag für Antifanten deutscher Herkunft lautet daher: Selbstmord. Wir übrigen kommen dann nach. Versprochen! Denn der aufrechte Antirassist weiß: die Deutschen haben das Nazigen, sie sind von Natur aus Rassisten.

In geradezu biblischer Weise möchte man darum ausrufen: „Rottet aus Samen und Leib…“ Begehen wir also Selbstmord, wie die Anhänger irgendeines obskuren Sonnenkultes. Dann könnten die Migranten und ihre Nachfahren endlich das Land in Besitz nehmen, das sie bekanntlich nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut haben, während die Deutschen in erster Linie mit Verdrängung der NS-Verbrechen, dem Anschauen von Heimatfilmen, Adenauer wählen (*schauder*) und Schweinefleischfressen beschäftigt waren. Eine hauptsächlich mit Türken besetzte Bundesregierung zum Beispiel wäre auch aus nichtantifaschistischer Perspektive durchaus vorteilhaft. Nein, nicht weil es für dieses Land schon immer am besten gewesen wäre, wenn es von energischen Schnurrbärten gelenkt wurde. Sondern weil die Angehörigen der Bundesregierung sich dann nicht ständig in ermüdender Weise bei sämtlichen Völkern für jene 12 Jahre und andere deutsche Verbrechen, wie z.B. die Hermannsschlacht, entschuldigen müßten. Auch  den während der griechischen Schuldenkrise gegen Deutschland erhobenen Vorwurf des  „Finanznazitums“ würden jene Kabinettsmitglieder vermutlich nur mit einem müden Lächeln quittieren.

Markward von Annweiler, 23. 07. 2010

Nachweise:

(1) Philtrat 97, Juli 2010, p. 7

(2) Philtrat 97, Juli 2010, p. 10, Besprechung des Romans von Mutlu Ergün, Kara Günlük. Die geheimen Tagebücher des Seperado, Münster 2010).

(3) Posor, Andrea/Meyer, Christian, Deutschenfeindlichkeit in Schulen. Über die Ursachen einer zunehmenden Tendenz unter türkisch- und arabischstämmigen Jugendlichen, in: blz 11/09, URL:

http://www.gew-berlin.de/blz/19635.htm

abgerufen am 23. 07.2010

(4) Der Spiegel 29, 19.7.2010 p. 126

Bild: Wikimedia Commons, Selbstmord der Lucretia. Urheber: Fordmadoxfraud (Photograph); Philippe Bertrand (Bildhauer). URL:

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lucretia_committing_suicide.png

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Konsequenzen für antifaschistische Partisanen deutscher Herkunft

  1. Alexander schreibt:

    „Die Lösung
    Nach dem Aufstand des 17. Juni
    Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands
    In der Stalinallee Flugblätter verteilen
    Auf denen zu lesen war, daß das Volk
    Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
    Und es nur durch verdoppelte Arbeit
    zurückerobern könne. Wäre es da
    Nicht doch einfacher, die Regierung
    Löste das Volk auf und
    Wählte ein anderes?“

    Die Regierung wählt sich ein anderes Volk. Es scheint tatsächlich eine einfache Lösung zu sein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s