Von der Pickelhaube

Warum die Pickelhaube? Wozu  ein weiterer Blog? Falls jemand sich hierher verirrt, möge er lesen, um zu verstehen. Von Markward von Annweiler und Ewald Knülle

An der Uni Köln bekennt man sich zur bunten Vielfalt, zu Weltoffenheit und Toleranz. Man geißelt Rassismus, Homophobie und den allgegenwärtigen Sexismus. Besonders tut das die Philtrat, die Zeitung der StudentInnenschaft der Philosophischen Fakultät. Man ist dort so unendlich nobel, so dermaßen gut, daß kein Widerspruch mehr möglich scheint. Wer kann schon argumentativ vertreten, daß das Glück der Menschen dieser Welt nicht sein höchstes Ziel darstellt? Wer will nicht ‚kritisch‘ sein, nicht ‚überkommene Denkmuster hinterfragen‘? Und wenn man in der Philtrat mit großer Freude Bücher abfeiert rezensiert, die von einem Verlag stammen, der hier und dort im Verfassungsschutzbericht erwähnt wird, wenn man sich mit Hausbesetzern solidarisiert und der Bundeswehr alle paar Monate Kontinuitäten zur Wehrmacht nachweist, wenn man sich an einem Aufruf zum Kampf der ‚Nicht-Weissen‘ gegen ‚weiße Dominanzstrukturen‘ ergötzt, dann ist dies alles sicher nur im Dienst der guten Sache.

Dieser Sache dienen wir nicht. Schande über uns. Denn wir sind nicht gut und edelmütig, nicht solidarisch mit den Unterdrückten dieser Welt, nicht tolerant im Umgang mit bedrohten Minderheiten. Nein, wir sind zynisch und menschenverachtendTM. Wir halten die Philtrat für ein dogmatisches Politblatt nah am Rande des demokratischen Spektrums, mit offener Flanke nach linksaußen.

Das dürfen wir aber auch. Wir sind keine StudentInnen, sondern Studenten, und gehören damit nicht zu jener Gruppe, für welche die Philtrat zu sprechen vorgibt. Auch sind wir nicht mit der Zugehörigkeit zu einer diskriminierten Minderheit privilegiert. Daher ist niemand genötigt, sich mit uns zu solidarisieren.

Denn wahrlich:

Wir wollen ein Deutschland voll von altsprachlichen Gymnasien und teuren Elite-Internaten, deren gestrenge Pädagogen bei der kleinsten Störung ihren Rohrstock schwingen, wir wollen Studiengebühren bundesweit,

wir wollen Kruzifixe in jedem Klassenzimmer, jeder Amtsstube, jedem Hotelzimmer und jeder öffentlichen Toilette,

wir wollen feiste Bischöfe, die mit jungen Meßdienerknaben nach dem Gottesdienst ins Halbdunkel der Sakristei entschwinden, um die Teufelsaustreibung vorzunehmen,

wir wollen haufenweise Atomkraftwerke, deren riesenhafte Kühltürme ihre Schatten werfen auf finstere Gestalten, die verstohlen aus schwarzen Limousinen steigen, um heimlich Milliardenaufträge großer Rüstungskonzerne abzuwickeln,

wir wollen eine Bundeswehr, deren dreijährig Wehrpflichtige in aller Welt für deutsche Wirtschaftsinteressen kämpfen und nach siegreicher Heimkehr unter Volkes Jubel im Stechschritt durch das Brandenburger Tor paradieren,

wir wollen einen atomgetriebenen Flugzeugträger, benannt nach Konrad Adenauer, um in internationalen Gewässern Öltanker und Walfangflotten zu schützen,

wir wollen, daß unsere Kanzlerin den nach Afghanistan aufbrechenden Soldaten eine Hunnenrede hält, daß sie für Deutschland einen Platz an der Sonne erstrebt und zu diesem Zwecke ein Kanonenboot nach Palma de Mallorca entsendet,

kurzum, wir sind das pure, konzentrierte Böse, unsere Herzen sind verdorben, verbittert, verbiestert und tiefschwarz. Auf absehbare Zeit werden unsere Forderungen wohl nicht erfüllt, doch für den Anfang könnten wir auf den Flugzeugträger verzichten. Wir wären zufrieden schon mit einer Uni ohne Denk- und Sprechverbote, ohne Gesinnungsdruck und Repression, wie sie von einer kleinen, aber lautstarken und wirkmächtigen Minderheit der Studenten ausgeübt werden. Bis es soweit ist, werden wir vorsichtshalber unter Pseudonymen schreiben, des Antifa-Ostrakismos eingedenk. Wir setzen uns die Pickelhaube auf, wichsen den Schnauzbart und lassen die blankpolierten Schaftstiefel aufs Pflaster knallen, zumindest metaphorisch.

Markward von Annweiler / Ewald Knülle, 25. 07. 2010

Bild: Wikimedia Commons, Urheber: historicair (Die Tatsache, daß die Schuppenkette offenbar gebrochen ist, hat im Rahmen dieses Beitrags keinen Hintersinn!). URL:

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Helmet_of_Prussian_dragoon_officer.jpg

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12 Antworten zu Von der Pickelhaube

  1. Gernot Hassknecht schreibt:

    Und ob sich jemand hierher verirrt.
    Das sind gute und richtige Gedanken hier gegen das ewig dumm machende Rauschen des Mainstreams. Mir ist das Philtrat zwar nicht aus persönlicher Anschauung bekannt, aber derlei Ansichten findet man ja leider überall in der Gesellschaft, nicht nur im Mikrokosmos Universität. Siehe zum Thema gender mainstreaming auch „Geschlechtsneutrale Päderastinnen“ im Blog von Jan Fleischhauer: http://unterlinken.de/2009/07/14/gender-mainstreaming/#comments

    Herzlichst
    Gernot Hassknecht

    • immhoff schreibt:

      Herr Hassknecht,
      unsere Gedanken sind natürlich nicht gut und richtig, sondern finster, dumpf und ewiggestrig. Allerdings haben Sie sicherlich recht, daß Vieles, was wir hier an der Uni erleben, auch außerhalb des Elfenbeinturms Verbreitung findet. Jüngere Entwicklungen in der CDU/CSU etwa finde ich befremdlich. Da sind Leute wie Fleischhauer Balsam für meine schwarze Seele.

      Schwärzlichst
      Ewald Knülle

  2. TerryTate schreibt:

    Sehr geehrtes Pickelhaube-Team,

    Ich habe per Zufall ihren Blog entdeckt und bin sehr begeistert von ihren fachlich und ironisch hochwertigen Artikeln. Leider – oder vllt auch zum Glück – bin ich kein Student an der Universität Köln, jedoch gibt es auch an „meiner“ Uni ähnliche Probleme. Ich wäre froh, wenn sie mir ein paar Tipps geben könnten einen ähnlichen Blog zu erstellen. Ich freue mich auf Antworten.

    Bleiben Sie weiterhin so mutig und investigativ

    Terry Tate

    • Ewald Knülle schreibt:

      Sehr geehrter Herr Tate,

      Tipps für einen ähnlichen Blog? Ganz einfach: Sammeln Sie Handzettel und Publikationen der Kämpfer_Innen für das Gute ein und besuchen Sie deren Vorträge, dann werden Sie mehr als genug Steilvorlagen für vernichtende Verrisse bekommen. WordPress macht das Einrichten eines Blogs sehr einfach, sogar Computer-Analphabeten wie Markward und ich haben es hinbekommen, wie sie sehen.

      Gruß
      Ewald Knülle

  3. Dietmar schreibt:

    Danke! Dass ich das noch erleben darf. Junge Menschen an einer deutschen Uni äussern sich intelligent, ironisch und sprachlich versiert fernab vom heutzutage vorherrschenden Mainstream der linksalternativen Intelligenzija, der von sich in Anspruch nimmt, die Verkörperung des ‚Guten‘ in der Welt zu sein, jedoch auf Grund seines eindimensionalen, unreflektierten Denkens ohne die Fähigkeit zu unvoreingenommener, differenzierter Analyse und Betrachtungsweise einfach nur der Intoleranz gegenüber allem, was nicht auf seiner ach so ökologischen, nachhaltigen, verkrampft-multikulturellen und nicht zu vergessen gender-mainstreamigen Linie liegt, Tür und Tor öffnet.

    Ich selbst gehöre einer Generation an, die am eigenen Leib in den 60ern des letzten Jahrhunderts den (bis zu einem gewissen Punkt) richtigen und notwendigen Aufbruch aus verkrusteten Strukturen erlebt hat. Leider jedoch auch die Entwicklung der damaligen Protagonisten sowie der Gesellschaft insgesamt hin zu genau so dogmatischen, intoleranten, spiessigen Srukturen wie ehedem, nur unter entgegengesetzten Vorzeichen. (Von diesem Pauschalurteil möchte ich das ‚gemeine Volk‘ ausnehmen, das oft scharfsichtiger und analytischer handelt und denkt als die sich selbst als Vorkämpfer des Guten und Wahren verstehenden sog. Intellektuellen.)

    Menschen, mit denen ich über Jahrzehnte durch dick und dünn gegangen bin, haben mir die Freundschaft aufgekündigt und/oder mich als Nazis beschimpft, nur weil ich nicht auf deren Linie in Bezug auf Global Warming, radikalem Islamismus oder Atomenergie liege.

    In solch einem gleichförmigen gesellschaftlichen Umfeld sind Eure Gedanken und Aktivitäten ein herzerfrischender Lichtblick.
    Also, setzt Eure Pickelhauben auf und lasst Euch nicht beirren im Kampf für „das pure, konzentrierte Böse“. Meinen Segen habt Ihr.
    Kein Fussbreit den Gutmenschen!

  4. Sabine schreibt:

    Sensationeller Blog oder besser gesagt (wenn auch bestimmt nicht neu):
    Ein Knüller!
    Weiter so!

  5. Frank schreibt:

    Ich will aber den Flugzeugträger!

    • immhoff schreibt:

      Lieber Frank,
      wir bekommen nicht immer, was wir uns wünschen. Mir wäre auch lieber, dass, anstatt Geld für sinnlosen Kultur- und Sozialquatsch zu verpulvern, endlich das skandalös niedrige Verteidigungsbudget erhöht wird! Aber wir müssen eben da kämpfen, wo wir stehen.

  6. Frank schreibt:

    Das verstehe ich. Indien braucht dringend unsere Entwicklungshilfe, damit Indien sich seinen fünften Flugzeugträger auch leisten kann. Schließlich sind wir für die armen Kinder auf Indiens Straßen verantwortlich.

  7. Lothar von Schwurbelitz schreibt:

    Ein wunderbarer Blog!

    Über eine Empfehlung via Facebook bin ich auf euch gestoßen und spiele schon – nach dem Lesen dreier Artikel – mit dem Gedanken etwas ähnliches für meine eigene Universtität zu gründen. Denn auch hier herrscht (öffentlich) Eintönigkeit und Repression differenzierter Meinungen.
    Eigentlich hört sich das nach einem bedenklichen Zustand unserer Universitäten an. Sind alle Nicht-Linken mundtot gemacht oder interessiert es niemanden so richtig?

    Grüße,
    Lothar von Schwurbelitz

  8. WhiteHaven schreibt:

    Nun, mir ist DIE LINKE sympathisch, aber schwarzen Humor (hier ja im wahrsten Sinne des Wortes) mag ich auch… nur diesen bedenklichen Zustand der Unis das alle Nicht-Linken mundtot sind, nehme ich euch nicht ab. Politisch mundtot sind alle Politisch nicht Interessierten und das spielt doch in Deutschland immer der herrschenden Klasse zu… und das sind sicherlich im Moment nicht die LINKEN 😉
    Whitehaven
    ps: Whitehaven ist mein Internetkampfname… Stalin war schon vergeben 😀
    pps: Das Meta-Widget solltet ihr von eurem Blog entfernen… http://whitehaven01.com/2013/04/15/sicherheit-bei-wordpress/

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