Das stählerne Wort

Die großen Diktaturen in Europa gehören der Vergangenheit an.   Dennoch ist auch heute noch die Gleichsetzung des jeweiligen politischen  Gegners mit Hitler oder Stalin eine allgemein übliche Praxis in der öffentlichen Auseinandersetzung. Der bis zur völligen Sinnlosigkeit  nahezu alltäglich wiederholte Hitler- bzw. Nazivergleich  reizt aber  mittlerweile nur noch zum Gähnen und ist deshalb nicht mehr kommentierungswürdig.  Die Gleichsetzung mit Stalin oder  dem Stalinismus wird seltener geübt, aber auch diese trifft selten oder nie zu. Von Markward von Annweiler

Der Pickelhaube wird immer wieder vorgeworfen, nur lokale studentische Blätter wie  die Kölner Philtrat zu kritisieren, aber die bürgerlich-reaktionäre Millionärspresse ungeschoren zu lassen. Doch die jüngste Unverschämtheit des Focus, dieser Bildzeitung für golfspielende Zahnärzte, müssen auch wir mit Empörung zurückweisen. In einem Artikel über „militante Atomkraftgegner“, die Eisenbahnstrecken durch Wegräumen des Schotters sabotieren wollen, hat sich ein Fokus-Schreiberling doch tatsächlich erdreistet, Sahra Wagenknecht von der Linkspartei als „Neo-Stalinistin“ zu bezeichnen! (1) Dies ist eine durch nichts zu rechtfertigende Verunglimpfung des großen Stalin und der Kommunistischen Partei der Sowjetunion!

Ist keine Stalinistin: Sahra Wagenknecht, die Schönheitskönigin der Linkspartei.

Wenn auch die Stalinisten vielleicht etwas zu sehr auf die Wirksamkeit von „administrativen Maßnahmen“ (forcierte Kollektivierung, Umsiedlungen, Säuberungen, etc.) vertrauten, so haben sie doch immerhin mit gewaltiger Anstrengung aus einem rückständigen Agrarland einen modernen Industriestaat geschmiedet. Wie der große Stalin selbst sagte: „Sich von dem heruntergekommenen Bauernklepper auf das Pferd der maschinellen Großindustrie zu setzen – das war das Ziel, das die Partei bei der Ausarbeitung des Fünfjahrplans und bei dem Streben nach dessen Verwirklichung verfolgte (2).“

Wußte, wo es lang geht: Gen. I. W. Stalin.

Für den Ausbau der Großindustrie musste notwendigerweise auch das Transportwesen auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden. Deshalb wurden in den 30er Jahren die Eisenbahnen in der UdSSR ausgebaut und modernisiert, so daß man den russischen Bauern sogar unentgeltliche Eisenbahnfahrten in weit entfernte Gebiete gewähren konnte.

Doch was machen Sahra Wagenknecht und die Linkspartei? Sie solidarisieren sich mit Protestlern, die Bahnstrecken durch das Wegräumen von Schottersteinen aus dem Gleisbett unbrauchbar machen wollen! Offensichtlich auf kurzfristigen Stimmengewinn schielend, biedern sie sich bei der Stuttgarter „Obergrundbewegung“ an und demonstrieren im Bundestag mit albernen T-Shirts gegen den Neubau eines Bahnhofs. Nicht ist mehr geblieben von der Maxime Lenins „mit Volldampf vorwärtszustürmen“.

Durch "Schottern" von Atomkraftgegnern vollkommen zerstört: Die Bahnstrecke von Lüneburg bis Dannenberg

In der UdSSR wurden unter Stalins Führung neue Kraftwerke geplant und gebaut sowie eine Modernisierung der bestehenden vorgenommen. Die Bereitstellung elektrischer Energie konnte beträchtlich gesteigert werden.

Die Linkspartei jedoch steht auf der Seite von kleinbürgerlichen Hobbyempörern gegen Kraftwerke und Netzausbau. Wahrscheinlich schreckt sie nicht einmal davor zurück, bei den Anti-Atom-Protesten mit den Bauern des Wendlandes zusammenzuarbeiten, mit Leuten also, die eigentlich entkulakisiert und deportiert werden müssten – doch wohin will man die Bewohner des Wendlandes noch deportieren?

Während unter Stalin die Sowjetunion 1949 den ersten erfolgreichen Atombombentest durchführen konnte, ist für die Linkspartei sogar die zivile Nutzung der Kernerergie des Teufels.

Infrastrukturprogramme können oft nur gegen den Widerstand von Bedenkenträgern durchgesetzt werden.

Die KPdSU (Bolschewiki) war jedoch eine „Infrastrukturpartei“. Hätten sich in der Sowjetunion der späten 20 und 30er Jahren immer nur die Bedenkenträger durchgesetzt, könnten wir jetzt nicht die schönen Mosaike in der Moskauer U-Bahn bewundern. Hätte die Sowjetführung, anstatt ihr Land zu industrialisieren, immer nur für die Weltrevolution demonstrieren lassen, würde die Ukraine vielleicht auch heute noch zu den deutschen Ostgebieten gehören.

Die Linkspartei hingegen ist nicht nur keine Infrastrukturpartei, ihr fehlt im Gegensatz zu stalinistischen  Parteien auch die nötige Disziplin und innere Geschlossenheit, um die Macht in einem Lande zu behaupten. Diese Partei ist eben keine „Festung, deren Tore nur dem Erwählten offenstehen“, wie einst Stalin die Partei Lenins charakterisierte, sondern ein Mischmasch aus allen möglichen politischen Richtungen: Alte SED-Kader, Autonome, „Antifaschisten“, Vegetarier und Veganer, Feministen, Trotzkisten, christliche Sozialisten, und sogar Sozialdemokraten (!). Von der marxistisch-leninistischen Lehre sind nur noch unreflektierte Kümmerformen übriggeblieben, an die Stelle einer revolutionären Kampf-Ideologie ist pseudosubversives, linkspopulistisches Gutmenschentum getreten, wie man es ähnlich auch auf emotionalisierten evangelischen Kirchentagen oder bei den Grünen finden kann.

Mitglieder der Linkspartei haben daher ein für alle mal das Recht verloren, noch weiter Stalinisten genannt zu werden. Eine solche Bezeichnung entbehrt jeder Grundlage, sie ist buchstäblich eine verbale Entgleisung.

 

Auch kein Stalinist: Gen. I. M. Notar von der Linkspartei. Name und Gesicht wurde aus rechtlichen Gründen von der Redaktion geändert.

(1) G. Schattauer, Sahra und die Steinesammler, Fokus 42, 10, 2010, p. 65.

(2) J. W. Stalin, Die grundlegende Aufgabe des Fünfjahrplans und der Weg zu ihrer Verwirklichung, Werke Bd. 13, p. 110.

Markward von Annweiler, 5.11. 2010

 

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8 Antworten zu Das stählerne Wort

  1. Ewald Knülle schreibt:

    Was der Linkspartei einfach fehlt, ist ein anständiges innerparteiliches Säuberungsprogramm. Von Stalin lernen heißt auch hier siegen lernen. Nur mit radikaler Ausmerzung jeglichen konterrevolutionären Widerstands, jeglichen Abweichlertums auch in den eigenen Reihen kann der Plan zur Übernahme und Abschaffung Deutschlands überhaupt erst in Angriff genommen werden. Die Weltrevolution ist kein Feierabendprogramm!

  2. JR schreibt:

    Ihr Stalinisten seid ein Ausbund menschenverachtender Riesenarschlöcher!
    Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich über Euresgleichen kotzen möchte.
    JR

  3. ovales schreibt:

    Ich schließe mich der Meinung von Karl Marx an,die er im Vorwort zur ersten Ausgabe seines Manifestes der Kommunistischen Partei dargelegt hat:……Kommunisten sind im Vergleich zu den Sozialdemokraten das geringere Übel….. . Stalin hat beide Übel in dieser Welt versucht mit aller
    macht durch Arbeit und nicht durch Gaskammern auszurotten. Seine Sowjetunion hat Megatonnen
    amerikanischen Wüstensandes als Getreideimporte mit Gold bezahlt,mit deren Erlös Mister
    Greenspan heute seinen Krieg bezahlt.Greenspan ist einer von den selben Vorfahren wie Stalin

  4. jay schreibt:

    „Verunglimpfung des großen Stalin und der Kommunistischen Partei der Sowjetunion!“ Ist das ihr ernst? Kann man an ein diktatorisches System überhaupt verunglimpfen?

  5. wfx schreibt:

    immhoff hat humor

    dadurch verschiebt sich für mich die „kommentare-seite“ auch noch in die kategorie „lesenswert“

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