Die Satansfratze der Germania

Der jüngste Aufruhr um die Frühstücksgepflogenheiten der Kölner Burschenschaft Germania muß einfach die politische Kultur der Bundesrepublik in ihren Grundfesten erschüttern. Mit welcher Begründung verwehrt man den erzfaschistischen Unholden ihr Frühstücksei? Dazu lohnt ein erneuter Blick auf den diesbezüglichen Handzettel der Künast-Jugend. Von Ewald Knülle

Die Burschenschaft Germania lädt zu ihrer Vortragsreihe Referenten unterschiedlichster politischer Ausrichtungen ein

Offenbar haben die Junggrünen gut recherchiert und herausgefunden, daß die regelmäßig im Verbindungshaus der Germania angebotenen Vorträge von Gastrednern unterschiedlichster Provenienz bestritten werden: Angehörige von Unionsparteien, SPD, FDP und Grünen, gar des einstigen SED-Politbüros durften in der Festung der Finsternis bereits das Wort ergreifen.

Da zumindest einige dieser Referenten der Verbreitung rechstextremistischen Gedankenguts unverdächtig sein sollten, stellt sich nun die Frage, wie man die Germania trotzdem zur „rechtslastige[n] Organisation“, also zum Todfeind alles Guten und Edlen erklären kann.

Die Antwort ist schnell gefunden und liegt im Grundcharakter der Burschenschaft begründet: Die Angehörigen der Germania hängen – man halte sich fest – „einem konservativen Weltbild an“ und sind „traditionsfixiert“. Diese Abartigkeit wird noch dadurch verschlimmert, daß man nur deutsche Männer aufnimmt und „Zweikämpfe mit scharfen Fechtwaffen“ durchführt, die – ganz im Gegensatz zu Boxen oder Skateboardfahren – „zu schmerzhaften Wunden und Narben“ führen können. Und als Gipfel der Barbarei wagen es diese Schandbuben auch noch, in aller Öffentlichkeit zu frühstücken.

Rechts im Bild zwei Mitglieder der Germania mit den typischen Hüten bei der Einnahme des Frühstücks. Der schwarzgekleidete Student führt eine jener scharfen Fechtwaffen, mit denen sich die Burschenschafter schmerzhafte Wunden und Narben zufügen

Damit wäre also grundsätzlich geklärt, daß Burschenschafter so ziemlich das abscheulichste sind, was die Evolution jemals hervorgebracht hat. Aber die grünen Jungagitatoren haben noch tiefer gegraben, um der Germania die Maske von Binnenpluralität und Meinungsvielfalt herunterzureißen und die dahinter verborgene Satansfratze zu enthüllen: Ganze drei (3!) Vorkommnisse in den letzten 34 (34!) Jahren haben sie identifiziert, die mit etwas gutem Willen als Anknüpfungspunkte zum Rechtsradikalismus zu deuten sind.

Somit ist zweifelsfrei bewiesen, daß die Germania ein monolithisch geschlossener Block aus rechtsextrem indoktrinierten Frühstücks-Finsterlingen ist. Zwar mag man einwenden, daß der Vortrag eines ehemaligen SED-Politbürokraten ebenso auf ideologische Nähe zum Linksextremismus deuten könne. Doch bekanntlich sind manche Grüne der Auffassung, so etwas wie einen Linksextremismus gebe es überhaupt nicht. Außerdem ist ja die Germania – und da stimmen wir von der Pickelhaube den Grünlingen völlig zu – eine „rechtslastige Organisation“.

Das natürlich ist der entscheidende Grund, den Burschenschaftern auch in Zukunft die Einnahme ihres Frühstücks zu verwehren. Denn Demokratie und Meinungsvielfalt heißen ja nicht etwa, daß eine Rechte und eine Linke in offener, fairer Auseinandersetzung um die besten politischen Konzepte tragfähige Lösungen für die Zukunft entwickeln und dabei ungestört frühstücken – wo kämen wir da hin? Nein, Demokratie und Meinungsvielfalt an der Uni Köln heißt, daß Linke, Grüne und Jusos beim Nazistoppen, Rekrutenfoppen oder Castor-Schottern ihre Meinungsfreiheit nutzen und ganz offen auch mit, nun, unorthodoxen Gruppierungen kooperieren dürfen.

Die Germania dagegen kann die eigene Tradition noch so sehr auf die demokratisch und parlamentarisch ausgerichtete Urburschenschaft zurückführen und weiterhin Referenten aus allen politischen Richtungen einladen – frei nach dem Prinzip des metaphysischen Nazitums macht sie gerade dies als kryptofaschistisch erkennbar. Das Frühstückseinnahmerecht muß ihr daher dauerhaft entzogen bleiben. Sollen doch ihre Mitglieder fernab des Sonnenlichts in düsteren Bunkern hocken bleiben, von scharfen Fechtwaffen mit schmerzhaften Wunden und Narben übersät, und von dort aus die Weltherrschaft der weißen Rasse planen.

Bisher noch frühstücken darf

Ewald Knülle, 20. 4. 2011

Bilder: Hitlers Rede zur Kriegserklärung an die USA 1941 (wikimedia commons); Antisemitische Propaganda im Stürmer-Stil (rabenclan.de)

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4 Antworten zu Die Satansfratze der Germania

  1. Dieter Döring schreibt:

    Ein sehr gut recherchierter Artikel, Herr Knülle.

    Was die „professionelle“ Presse sich so alles zusammendichtet:
    http://www.express.de/regional/koeln/burschenschaft–polizeieinsatz-bei-uni-treffen/-/2856/8365158/-/index.html

    • immhoff schreibt:

      Sehr geehrter Herr Döring,

      so schlimm finde ich den von Ihnen verlinkten Artikel nicht. Daß der 20. April der Geburtstag Adolf Hitlers ist, stellt schlichtweg eine Tatsache dar, ebenso, daß die Germania-Mitglieder sich als Patrioten verstehen. Natürlich ist die vom Autor direkt anfangs gezogene Verbindung zu „Führers Geburtstag“ tendenziös. Aber es war nunmal das Datum der Veranstaltung, was zu Mißstimmungen geführt hat, wie das Zitat des Uni-Sprechers verdeutlicht.

      Mit freundlichem Gruß
      Ewald Knülle

    • Ewald Knülle schreibt:

      Nachtrag: Bei tiefergehender Überlegung (ich brauche immer etwas länger) muß ich Ihnen doch Recht geben, daß der Express-Artikel unsäglich ist. Als erstes wird die Nazikeule ausgepackt, dann wird über den Uni-Sprecher der Eindruck erweckt, daß nicht etwa die vereinte Linksfront, sondern die Germania an dem ganzen Aufruhr die alleinererbte Kollektivschuld habe. Und grundsätzlich redet man ÜBER Sie, niemals MIT Ihnen.

      Nazikeule, Schuld-an-Allem-Vorwurf und Dialogverweigerung sollten Sie ja gewohnt sein. Der Express-Artikel jedenfalls ist zwar in sachlichem Ton gehalten und hält sich an Fakten, hat aber in der Tat mit ausgewogenem Journalismus nichts zu tun.

      Gruß
      Ewald Knülle

  2. Pingback: Frühstück massiv gestört | Initiative für Toleranz und Zivilengagement

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