Campusgrüne Kommunismusträume

Bei den Kölner Campusgrünen (die wir momentan mit einer Artikelreihe belegen) pflegt man zu altbackenen Spießernormen wie der Grundgesetztreue eine eher kreativeTM Einstellung. Gegen langweilige deutsche Gartenzwergmoral setzt man auf die Klassiker der Weltrevolution. Von Ewald Knülle

Die Campusgrünen lieben rote Büchlein. Im Hintergrund lächelt der Große AStA-Vorsitzende Jonas Thiele

So lasen die Campusgrünen zur ideologischen Kräftigung ihrer FreiheitsfreundInnen das Kommunistische Manifest, jenes papierne Fundament von Demokratie und Rechtsstaat, das auf den wohl wirkmächtigsten Vollbartträger der Weltgeschichte zurückgeht. Nun ist Marx-Lektüre an sich ja keineswegs verwerflich; auch manchen politiktheoretisch minderambitionierten Konservativen möge sie für die Auseinandersetzung mit den immerzu sachlich-tolerant diskutierenden Vertretern des Linksestablishments empfohlen sein.

Allerdings scheinen die Kölner Nachwuchs-Grünlinge eine entschieden unkritische Lesart des Manifests zu bevorzugen, wie man ihrer Begründung für die Aktualität des kleinen roten Büchleins zweifelsfrei entnehmen kann. Per Zitat erklärt man nämlich die Marx-Engelsschen Lehrsätze für auch heute noch unumstößlich gültige Wahrheit, nämlich für „Ausdrücke tatsächlicher Verhältnisse eines existierenden Klassenkampfes“.

Grimmig: Karl Marx, der geistige Ziehvater der Campusgrünen

Natürlich sind weiterhin die Campusgrünen als geschulte WeltrevolutionärInnen bestens in der Lage, druckreife Agitprop auch selbst zu produzieren. In weisheitstriefendem Wortgeschwurbel  wird eine Interpretation von Politik und Weltgeschichte geboten, wie Onkel Erich selbst sie nicht luzider hätte formulieren können: Die Menschheit, mittlerweile in eine „dramatische Entwicklung ihrer Geschichte“ eingetreten, ächzt wie nie unter der grausamen Knute der Herrschenden, die Wettrüstung betreiben, einen „Sozialkrieg gegen die arbeitende Bevölkerung“ führen und Militäreinsätze zum unabänderlichen Bestandteil des Erdendaseins erklären.

Nun, bereits in der Vergangenheit gab es so hier und da  ein wenig Ausbeutung – interessanterweise gerade auch in den diversen Arbeiter- und Bauernparadiesen – und den Krieg hat schon der olle Thukydides als anthropologische Grundkonstante beschrieben. Doch irgendwie muß ja an all dem Elend jemand oder etwas Gegenwärtiges Schuld sein.

Das ist, na wer schon, der Kapitalismus als ewiglich giftsprudelnder Urquell des Bösen. Zwangsläufig muß er in den Weltenbrand führen, wie es logisch zwingend im schönsten Agitatorensprech heißt: „Der Kreislauf von Wirtschaftskrisen und Kriegen stellt sich immer mehr als eine bestimmende Form des Kapitalismus heraus und bedroht die Menschheit insgesamt.“ Einzige Rettung vor der Apokalypse ist die andere WeltTM.

Damit wäre also geklärt, daß Krieg, Wirtschaftskrise und Weltuntergang Alleinstellungsmerkmale des Kapitalismus sind und im Kommunismus schlichtweg nicht vorkommen. Ein Glück, daß es die Campusgrünen und ihren Großen Vorsitzenden Jonas Thiele gibt, uns zu erleuchten.

Bumm

Das kann nur im Kapitalismus passieren

Was also raten die Grünlinge, um dem Teufelkreis von Kapitalismus, Krieg und Menschheitsstod zu entkommen? In einem einzigartigen Sprachkunstwerk wird zunächst das Problem Krieg und Kriegsvorbereitung so einfach wie genial in seiner gesamten Komplexität erfaßt:

Die Großmächte sind Träger der Wettrüstung, bräuchten das aber nicht zu sein, da sie eigentlich keiner Gefahr ausgesetzt sind und sich lediglich gegenseitig bedrohen.*

Man braucht demnach, so folgere ich, einfach nur den USA, China, Rußland, Nordkorea, Pakistan und Indien erklären, daß sie eigentlich keiner Gefahr ausgesetzt sind und sie bewegen, keinerlei Waffen mehr herzustellen sowie ihr Militär aufzulösen – mehr ist gar nicht nötig.

Dann herrschte allüberall der Friede, denn bekanntlich bedeutet ja die Abwesenheit von Zentralherrschaft und Militärmacht, daß sich alle Menschen ganz prima miteinander verstehen, so, wie sie es in Afghanistan und Waziristan tun. Friede kann so einfach sein!

Doch halt – es bliebe ja noch der von den Herrschenden geführte Sozialkrieg. Was genau das sein soll, wird leider nicht definiert. Macht nichts, es klingt ja äußerst schmissig und suggeriert, man würde die Gesamtheit aller sozioökonomischen Prozesse sowie den Einfluß der Politik darauf monoverbal erfassen und deuten können. Ich nehme mal an, daß es sich beim „Sozialkrieg“ um solch gnadenlos ausbeuterische Praktiken wie Konsumterror, Tarifautonomie und fehlende staatliche Arbeitsplatzgarantie oder die verschwindend geringen Sozialausgaben handelt. Die vielen verhungernden Handwerker, Facharbeiter und Theaterintendaten auf unseren Straßen sind erst die ersten Opfer dieses von der reaktionären Merkel-Mordbande geführten Vernichtungsfeldzugs.

Der Ausweg aus diesem Teufelskreis liegt für die Campusgrünen im roten Büchlein ihres geliebten Führers, das schon seit 1848 praktischerweise die ewiggültige Welterklärung auf ca. 30 Seiten enthält. Wir von der Pickelhaube halten die Begeisterung der Grünen für großartig, für eine Zierde intellektuell ambitionierter Jungakademiker, und wünschen weiterhin viel Erfolg bei der Befreiung der werktätigen Massen.

Ewald Knülle, 23. 4. 2011

Bilder: 2.bp.blogspot.com; end-2012.com

* Dieser äußerst komplexe Gedankenganz kann hier nicht näher ausgeführt werden. Ich bin mir übrigens sicher, daß der urhebende grüne Aushilfs-Agitator ihn nicht einmal selbst nachvollziehen kann. Ich habe mich an dieser Stelle daran versucht.

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2 Antworten zu Campusgrüne Kommunismusträume

  1. Jüngerist schreibt:

    Hallo,

    die Campusgrünen einmal außen vor gelassen. Der Kapitalismus mag zwar nicht alleinige Grundursache allen Übels sein, allerdings ist er das derzeitige Gesicht der Mehrzahl unserer Missstände. Es bringt ja nichts zu sagen, Missstände würde es immer geben, wenn man diese in der Historie durchaus voneinander sowohl in Art und Weise als auch Ausmaß unterscheiden kann. Ernst Jünger pflegte zu sagen, daß der moderne Krieg nichts mehr mit den alten Kriegen gemein hat. Ohne die radikale Technisierung und Industrialisierung hätte es bspw. keine Massenvernichtungswaffen gegeben – daher kann man den Kapitalismus, auch was das anbelangt ins Feld führen.

    Ich erachte die Auseinandersetzung der marx’schen Kapitalismuskritik für notwendig, hier ist sie allerdings in vielerlei Hinsicht unfair. Selbstverständlich gibt es einen Kampf zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, ansonsten gäbe es keine Gewerkschaften, Betriebsräte, usw usf. Wer in diesem Kampf die Hosen an hat, muss wohl nicht weiter erläutert werden. Man muss auch nicht „sozioökonomische Prozesse“ fachgetreu herunterbeten, um zu erkennen, daß die Besitzlosen (an Produktionsmittel) im Großen und Ganzen an Boden verlieren – und zwar Tag für Tag. Oder nicht?

    Ansonsten möchte ich euch Lob und Dank für eure Arbeit aussprechen!

    Grüße

    • immhoff schreibt:

      Wie bitte – die Pickelhaube ist unfair? Wie können Sie es wagen! Wir sind ein seriöses und ausgewogen berichtendes Nachrichtenmagazin allerhöchsten Niveaus.

      Es sei angeführt, daß Marx keineswegs ein Gegner von Industrialisierung und Technisierung war, ganz im Gegenteil. Auch möchte ich auf den jüngsten Artikel meines Kampfgenossen Markward von Annweiler („Das Böse verliert sein Gesicht“) hinweisen, dem man eine deutliche Kritik am (ungehemmten Finanz-)Kapitalismus entnehmen kann. Da ich selbst allerdings von Rüstungs- und Atomkonzernen gekauft bin, werden Sie derartiges von mir nicht hören.

      Gruß
      Ewald Knülle

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