Im Gespräch mit der Germania

Wie die Pickelhaube berichtete, versuchten kürzlich Mitglieder verschiedener linksorientierter Gruppierungen, ein Frühstück der Burschenschaft Germania im E-Raum zu verhindern. An sich ist das Thema nun zu genüge kommentiert und somit quasi abgefrühstückt. Doch ist kürzlich den niemals müden Reportern der Pickelhaube ein publizistischer Sensationscoup sondergleichen gelungen: Ein Exklusivinterview mit den Frühstücksteilnehmern. Dieses wollen wir unserer treuen Leserschaft nicht vorenthalten.

Hinweis: Unser Gesprächsangebot an die Grüne Hochschulgruppe Köln bleibt bestehen.

Sie führt eine scharfe Klinge, ist aber, wenn man höflich anfragt, durchaus gesprächsfreudig: Die Kölner Germania

Sie führt eine scharfe Klinge, ist aber, wenn man höflich anfragt, durchaus gesprächsfreudig: Die Kölner Germania

Die Pickelhaube: Wo habt ihr heute gefrühstückt?

Burschenschaft Germania: Nun, nicht in offiziellem Rahmen im E-Raum der Uni. Das Couleurfrühstück, das wir letzte Woche dort veranstaltet haben, findet lediglich einmal im Semester – je nach Terminlage in den ersten drei Wochen – mittwochs statt.

Worum genau geht es dabei?

Es handelt sich um eine alte burschenschaftliche Tradition, die wir gerne weiter pflegen möchten. Beim Couleurfrühstück trifft man sich zu geselligem Beisammensein, auch Gäste sind hier willkommen. Da wir unterschiedliche Fächer studieren und uns im regulären Uni-Alltag kaum sehen, ist eine solche Veranstaltung einfach eine Gelegenheit, einmal im Semester zusammenzufinden. Darüber hinaus dient das Couleurfrühstück natürlich auch der Außendarstellung; wir geben uns ja äußerlich als Burschenschafter erkennbar. Das aber tun wir auf dezente Weise, lediglich das Band [d. i. die bunte Schärpe, Anm. d. Red.] hat uns letzten Mittwoch von den übrigen Studenten unterschieden.

Wie hat man auf euch reagiert? Wie verlief euer Frühstück?

Als wir zu siebt eintraten, war der E-Raum bereits mit Luftballons und Plakaten der Protestler verziert. Zunächst hat man uns gar nicht erkannt, aber als wir unsere Bänder angezogen hatten, wurden wir gewissermaßen umzingelt, von vielleicht 30 Leuten. Abgesehen von einem Campusradio-Reporter wollte niemand auch nur mit uns reden, stattdessen sangen die Protestler lauthals verschiedene Lieder, inklusive Gitarrenbegleitung, um uns den Aufenthalt so ungemütlich wie möglich zu machen.

Das allein werdet ihr ihnen kaum verübeln können. Grüne und Linke haben ja zweifelsfrei das Recht, euch politisch zu bekämpfen. Auch ist wohl – angesichts des enormen publizistischen Aufwandes der Protestler – nur eine geringe Zahl tatsächlich erschienen.

Das ist richtig. Die meisten Grünen und Linken scheinen für solche Aktionen wenig Muße zu haben. Allerdings fragen wir uns, wieso die krawallfreudige Minderheit vom AStA ideologisch und auch finanziell unterstützt wird. Gegen politische Auseinandersetzung haben wir nichts, aber bei Verleumdung und Gewalt ist für uns die Grenze erreicht. So gab es unter den Protestlern einige, die ganz klar auf eine Eskalation aus waren. Man hat aus nächster Nähe unsere Gesichter abfotografiert, uns als „Scheißnazis“ und „Wichser“ beschimpft und den Mittelfinger gezeigt. Die Umzingelung wurde immer enger, so dass wir kaum noch Bewegungsfreiheit hatten.

Was ist dann passiert?

Nun ja, wir wurden mit Protestbannern umkreist, dabei mithilfe dieser Banner heruntergedrückt, sodaß wir nicht einmal mehr hätten aufstehen können. Während der Umzingelung wurden wir auch mit Gegenständen beschmissen. Als schließlich einer von uns eine Kamera auf die Protestler richtete, hat man versucht, sie ihm per Faust oder unter Verwendung von Gegenständen aus der Hand zu schlagen. Einem anderen Bundesbruder [d. i. hier: ein Mitglied der Germania] wurde das Mobiltelefon aus der Hand gerissen, die Protestler haben gegen unsere Stühle getreten, uns mit Nüssen und Müll beworfen und mit Wasser und Kaffee übergossen. Dabei wurde auch unter anderem ein Loblied auf die Bombenangriffe auf Dresden im 2. Weltkrieg gesunden.

Wie hat sich die Polizei verhalten?

Unserer Ansicht nach etwas zu passiv, wobei man ganz klar sagen muß, daß Polizei und Sicherheitspersonal der Uni durchaus kooperativ waren. Wahrscheinlich ist es schwierig, den Moment abzupassen, ab dem ein Eingreifen angebracht wäre – die Protestler hatten offenbar Übung und wußten sehr genau, wie man sich hart an der Grenze zur Tätlichkeit bewegt bzw. seine Gegner tatsächlich körperlich attackiert, ohne daß die Polizei es mitbekommt.

Und wie habt ihr reagiert?

Wir haben uns nicht stören lassen und unser Frühstück eingenommen. Als die Protestler Schwierigkeiten beim Singen der Internationale hatten – offenbar kannten sie den Text nicht – sind wir hilfreich eingesprungen.

Wie der Uni-Sprecher Patrick Honecker im Express sagte, hat man das Datum eures Frühstücks – den 20. April, den Geburtstag Adolf Hitlers – als besondere Provokation empfunden. Was hat euch geritten, gerade diesen Tag zu wählen?

Honecker – ein interessanter Name… Aber wie gesagt, unser Frühstück findet traditionell je nach Terminlage in den ersten 3 Wochen des Semesters statt. Daß es sich um den 20. 4. handelt, ist ein Zufall, keiner von uns hat diesen Tag im Kalender angestrichen. Wir sehen keinen Grund, den Geburtstag Hitlers zu feiern, aber wie jeder andere haben wir das Recht, an diesem Tag eine Veranstaltung durchzuführen. Die Behauptung, wir hätten bewußt provozieren wollen, ist eine Unterstellung.

Würdet ihr es denn im Nachhinein als Fehler ansehen, gerade diesen Tag zu wählen?

Dieses Problem wurde während der Vorbereitung der Veranstaltung im Convent [der Mitgliederversammlung] zur Sprache gebracht. Da aber von den Beteiligten selbst nur die wenigsten die Geburtstage vergangener Diktatoren kennen, gingen wir davon aus, daß in der breiten Öffentlichkeit damit ebensowenig zu rechnen sei. Wir dachten daher nicht, daß ein falscher Eindruck zu befürchten wäre. Die Gefahr, dass mißgünstige Zeitgenossen bewußt einen falschen Zusammenhang herstellen würden, war uns bewußt, wir hielten diese Befürchtung aber für übertrieben. Hätte man mit uns diskutieren wollen – was nicht der Fall war – hätten wir die historische Rolle der Burschenschaften als Verteidiger von Freiheitsrechten und ihre Opposition gegenüber staatlicher Unterdrückung hervorheben können.

Die Vorwürfe, die seitens der Campusgrünen euch gegenüber erhoben werden, lauten neben „konservativem Weltbild“ auch, daß Mitglieder der Germania in der Vergangenheit Kontakte zu Rechtsextremen bzw. zum RFS hatten und vielleicht wieder haben werden. Was sagt ihr zu diesen Vorwürfen?

Es besteht kein Kontakt zu Rechtsextremisten oder Rechtsradikalen. Von daher sind diese Vorwürfe absolut haltlos.

Doch werdet ihr nicht abstreiten können, daß es im Umfeld deutscher Burschenschaften durchaus aktive Rechtsextreme gibt, man denke etwa an Jürgen Gansel oder Arne Schimmer.

Um eins klarzustellen: Burschenschaften sind keine parteilich gebundenen Organisationen. Unseren Mitgliedern ist das Engagement für jedwede Partei freigestellt. Bei der Germania gibt es Angehörige von CDU, JU, von FDP, Jungen Liberalen und auch SPD. Bei politischen Diskussionen in unserem Hause geht es demgemäß auch mal hoch her. Wenn nun ein Burschenschafter sich entscheidet, der NPD beizutreten, dann wird er das tun können – allerdings steht er mit einem solchen Engagement innerhalb der Burschenschaftsbewegung weitestgehend allein. Arne Schimmer beispielsweise wurde in den Burschenschaftlichen Blättern scharf kritisiert.

Nun nehmt ihr ja einzig Männer deutscher Herkunft auf und führt als pflichtschlagende Verbindung Mensuren [ritualisierte Fechtkämpfe] mit scharfen Waffen durch. Ist so etwas in einer pluralistischen, multikulturellen Gesellschaft noch zeitgemäß?

Ja, absolut. Uns ist die Pflege deutscher Kultur und Tradition gerade auch in einer solchen Gesellschaft ein Anliegen. Vielfalt heißt eben nicht Gleichheit. Wir respektieren kulturelle Eigenheiten, bestehen aber auch darauf, die unseren wahren zu dürfen. Dazu zählt eben auch das studentische Fechten.

Könnt ihr nachvollziehen, daß viele dieses Fechten als barbarisch empfinden? Immerhin kann es dabei ja tatsächlich zu „schmerzhaften Wunden und Narben“ kommen.

Das Fechten mag sicherlich antiquiert wirken, doch wird alles getan, das Verletzungsrisiko zu minimieren. Die durch Tradition festgelegten Schlagabfolgen werden in einem ausgiebigen Training „eingepaukt“, bei der eigentlichen Mensur ist Selbstbeherrschung oberstes Gebot. Zwei Ärzte sind anwesend, die Paukanten tragen eine umfangreiche Schutzausrüstung. Bei den Pflichtpartien, bei denen nur die Stirn Trefferfläche ist, kommt es in aller Regel nicht zu Verletzungen. Insgesamt ist Fußball wohl deutlich riskanter.

Doch ist ja, im Gegensatz zum Fußball, das Verletzungsrisiko ein gewollter, ein integraler Bestandteil dieses Fechtens.

Das Fechten ist einfach ein wesentlicher Teil studentischen Brauchtums und wird seit über 400 Jahren in Österreich, Deutschland und der Schweiz von schlagenden Verbindungen ausgeübt. Dieses schlagende Prinzip ist ein verbindendes Element unter sämtlichen Korporationen. Es zeigt nun einmal, daß diese Lebensbünde bereit sind, auch solche Traditionen aufrechtzuerhalten, die der „normalen“ Bevölkerung unverständlich sind.

Und was genau bedeutet euch diese Tradition?

Das Fechten auf der Mensur ist in unseren Augen ein unverzichtbares, freiwillig auf sich genommenes Zeichen der Einsatzbereitschaft. Jeder Bundesbruder zeigt damit, daß er für seine Verbindung quasi buchstäblich den Kopf hinhält. Zudem ist die Mensur ein Moment, in dem jeder Bundesbruder an seine physische und psychische Leistungsgrenze herangeführt wird und somit lernt, mit Extremsituationen umzugehen und einen kühlen Kopf zu bewahren.

Die Funktion ist also Gemeinschaftsbildung, indem man stellvertretend für die gesamte Burschenschaft eine riskante Situation besteht?

Ja, genau. Der Waffenstudent steht eben nicht nur für sich selbst, sondern für die Gemeinschaft. Die Ehre des großen Ganzen, von dem er nur ein Teil ist, wird hier wichtiger als das Risiko, verletzt zu werden. Dieses persönliche Risiko zugunsten der Gemeinschaft zu überwinden, ist die eigentliche Leistung bei einer Partie. Sinn des Fechtens ist nicht, sich oder den anderen zu verletzen. Es gibt weder Gewinner noch Verlierer. Wir fechten, um zu zeigen, daß wir zu unserer Überzeugung tatsächlich stehen und uns nicht mit bloßen Lippenbekenntnissen begnügen.

Daher kann, wer nicht zu fechten bereit ist, bei euch auch kein Mitglied werden.

So ist es. Die Verpflichtung zur Mensur bedeutet für den Bund zum einen einen Treuebeweis des Mitglieds und zum anderen ein Selektionskriterium: Wer nicht auf seine eigene Leistung vertrauen kann, wer die Feigheit dem Mut vorzieht, wer lieber bequem als diszipliniert ist, wer persönliche Vorteile höher bewertet als die Gemeinschaft, ist nicht dazu geeignet, Teil einer solchen Gemeinschaft zu werden. Das Gemeinschaftserlebnis der Mensur besitzt für uns eine so starke Integrationskraft, daß wir mit gutem Gewissen an ihr festhalten.

Welche Hoffnungen, Pläne, Projekte habt ihr und hat die Germania für die Zukunft?

Wieder mal ein gut besuchtes Couleurfrühstück zu veranstalten…

Vielen Dank für das Gespräch.

Hinweis: Das obige Interview ist im Wortlaut so nicht geführt, sondern aus Gesprächsnotizen und E-Mails nachträglich zusammengefügt worden.  Für jene Leser, die wissen möchten, wie das Gespräch genau ablief, haben wir in Zusammenarbeit mit einem lokalen Fernsehsender eine Videoaufzeichnung angefertigt. Für die Germania sprachen Daniel E., Klaus E. und Stefan W.

Die Redaktion, 12. 5. 2011

Bild: ‚Germania auf der Wacht am Rhein‘ von Lorenz Clasen, 1860 (wikimedia commons)

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2 Antworten zu Im Gespräch mit der Germania

  1. Dieter Döring schreibt:

    Dazu noch ein interessanter Artikel auf S. 2:
    http://www.asta.uni-koeln.de/2011/05/15/nachdruck-2-ausgabe-erschienen

    Langsam fällt mir nichts mehr ein!

    • immhoff schreibt:

      Gerne würde ich an Ihrer Einfallslosigkeit teilhaben, aber der Link funktioniert nicht oder die AStA-Seite ist momentan von reaktionär-faschistischen Konterrevolutionären lahmgelegt. Daß man beim AStA weitestgehend vernunft- und humorresistent ist, dürfte aber auch so klar sein.

      Übrigens: Aus irgendeinem Grund ist Ihr Kommentar zuerst beim Spam gelandet.

      Gruß
      Ewald Knülle

      Nachtrag: Die von Ihnen erwähnte Zeitung habe ich als Druckausgabe in der Mensa aufgegabelt. Ein Knaller! Hier mein Senf dazu.

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