Bewerbungsschreiben eines Bekehrten

Es ist wenig ersprießlich, für einen lausigen, niveau- und bedeutungslosen Blog wie die Pickelhaube zu schreiben, den eh kein Schwein liest. Unendlich besser dran sind die Redakteur_innen der Philtrat, jenem StudentInnenmagazin aus Köln, über das zu berichten wir uns ursprünglich zur Aufgabe gemacht hatten. Mittlerweile sucht der erlesene Kreis der kapitalismus- und globalisierungskritischen Ausbeuter_innenbekämpfer_innen weitere Mitarbeiter_innen – auch ich will mich bekehren und dazugehören! Ein geschlechtergerechtes Bewerbungsschreiben von Ewald Knülle

Auf Bewerbungsfotos sollte man sich von seiner besten Seite zeigen

Sehr geehrte Damen und Herren, Transgender, Transvestit_innen und Hermaphrodit_innen der Redaktion,

ich habe Ihre Stellenausschreibung im Philosophikum der Uni Köln bemerkt und möchte mich hiermit um eine Stelle als Philtrat-Autor_in bewerben. Ich bin entfernt mit Bildung und logischem Denken vertraut und beherrsche jene Sprache, die bislang leider noch von den meisten Menschen in diesem Land gesprochen wird, leidlich gut. Damit erfülle ich die Anforderungen, die Sie an Ihre Redakteur_innen stellen. Bisher fühle ich mich zwar weitestgehend noch dem „männlichen Geschlecht“ und der „deutschen Kultur“ zugehörig, bin aber gerne bereit, in dieser Hinsicht an mir zu arbeiten.

Auch wenn ich an mir arbeite - die Vergangenheit wird mich immer prägen

Die Tätigkeit bei der Philtrat wäre für mich eine einzigartige Chance. Sie erreichen mit Ihren auch aus meinem Geldbeutel finanzierten Printausgaben eine beträchtliche Leser_innenschaft, denn an der Philosophischen Fakultät, wo Ihr Druckerzeugnis ausliegt, studieren gut 14.000 Student_innen. Damit übersteigt die Zahl Ihrer potentiellen Leser_innen die der regelmäßigen Rezipient_innen meines/r bisherigen Arbeitgeber_in, der Pickelhaube, in etwa um den Faktor 7.000.

Meine Tätigkeit bei der Pickelhaube umfaßt neben Polemik, Rabulistik und Lektorat vor allem Finanzplanung und Bilanzführung. Unsere Gelder zu verwalten, ist nämlich beträchtlicher Aufwand; wir erhalten im Gegensatz zu Ihnen von der Kölner Student_innenschaft genau 0,00 Euro (abzüglich Steuern) im Semester. Ich jedenfalls wäre aufgrund meiner bisherigen Berufserfahrung für zahlreiche Teilbereiche der redaktionellen Arbeit bestens qualifiziert.

Meine Talente sind vielfältig

Und wie gerne würde ich zu Ihrem Projekt wechseln! Sehr gut hat mir insbesondere Ihr Bericht zu dem jüngsten Weltfestspielen der Jugend und Studierenden gefallen, in dem der/die/das Autor_in Thomas Petrikowski davon erzählt, wie Bielefelder Student_innen StuPa-finanziert ins südafrikanische Tshwane reisten, um dort gemeinsam mit anderen kritisch-emanzipatorischen jungen Leuten, u. a. mit einer Delegation aus dem Anti-Ausbeutungs-Bollwerk Nordkorea, Party gegen den Imperialismus zu machen und vielfältige politisch-philosophische Diskussionen zu führen. Beliebtes Thema war beispielsweise der zionistische Chauvinismus der rassistischen Jü(u)d_innen aus dem reaktionär-faschistischen Besatzer_innenkonstrukt „Israel“.

Solche Artikel beweisen ein ums andere Mal, daß die Philtrat schlichtweg die intellektuelle Speerspitze der Kölner Student_innenschaft ist. Zu dem erlesenen Zirkel Ihrer Redakteur_innen möchte ich unbedingt dazugehören. Über eine baldige Rückmeldung würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlicher/m Grü(u)ß_in

Ewald Knülle, 16. 5. 2011

Bilder: gremlindog.com

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Bewerbungsschreiben eines Bekehrten

  1. rauchmelder schreibt:

    Ähm,
    ich lese euch schon, nach einem freundlichen Tipp heute. 😉
    Wenn ihr Lust auf höhere Lesezahlen habt, seid ihr herzlich eingeladen auch bei FF 2.0 zu veröffentlichen. Einfach auf meinen Nick klicken.

  2. AH schreibt:

    Herrlich, bin auch über einen Hinweis hier gelandet. Könntet Ihr nicht die Seite mit Facebook verknüpfen, sodass man zu einzelnen Artikeln „Mag ich“ klicken, oder sie „Teilen“ kann?

    Weiter so

    AH

    • immhoff schreibt:

      Das hat uns auch schon unser letzter Gesprächspartner Carlo Clemens vorgeschlagen. Leider sind wir einerseits derzeit durch universitäre Verpflichtungen stark eingebunden – wir wollen uns am ausbeuterischen Monopolkapitalismus beteiligen und streben daher einen akademischen Abschluß an – andererseits sind wir als Geisteswissenschaftler mit jeglicher praktischer Tätigkeit wie dem Gebrauch von Facebook heillos überfordert.

      Gruß
      Ewald Knülle

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s