Antirassismus ist Ruhestörung

Wie üblich saß ich gestern in der Bibliothek, antriebslos meiner zukünftigen Existenz als Taxifahrer oder Callcenter-Knecht entgegendämmernd, als plötzlich ein infernalischer Lärm anhub. Doch nicht das Horn des Heimdall, nicht die Trompeten von Jericho brachten die Wände zum Erzittern, sondern das festival contre le racisme. In dessen Rahmen war nämlich vor dem Philosophikum eine Bühne aufgestellt worden, um von dort aus den Rassismus wegzurocken. Ein Bericht des mittlerweile ohrstöpselbewehrten Ewald Knülle (zahlreiche Formulierungen stammen vom wortgewaltigen spiritus rector der Pickelhaube, Markward von Annweiler)

Beim festival contre le racisme werden Rassismus und Faschismus einfach weggerockt, hier von Supergitarrist J. W. "Bitchass" Stalin

Schon wieder Hetze gegen den Rassismus! Vor lauter Ekel erbreche ich mich auf die blankpolierten Spitzen meiner schwarzledernen Schaftstiefel, wische mit dem gestärkten Ärmel der braunen Uniform den Mund mir ab und rücke die Schirmmütze wieder zurecht. Warum unbedingt so ein Krach? Die mit Antifa-Folklore-Tapete vollgekleisterten Wände der Uni kann man durch Senken des Blickes wenigstens zeitweise ausblenden. Laute Rockmusik mutiger Weltverbesserer dagegen ist nur schwerlich zu ignorieren, wenn man in ca. 30m Luftlinie Entfernung seinen täglichen Studentenschlaf genießen möchte.

          Und wieso muß man den Rassismus gerade an der Uni Köln bekämpfen? Die hiesigen Dozenten sind nicht eben dafür bekannt, die Weltherrschaft der arischen Rasse zu propagieren, überdies weiß jeder Kölner, daß die Polizei vor der hiesigen Synagoge nicht wegen terrorfreudiger Aushilfs-Arier ihre Maschinenpistolen spazieren führt. Auch die Sicherheitsleute im Stadionbad sind nun wirklich nicht wegen hordenweise baseballschlägernder weißer Rassisten da.

          Doch ist vielleicht das Problem ein anderes: Es zeigt ein Blick auf die in der Mensa befindliche Ausstellung zu Neofaschismus in Deutschland (hier online einsehbar), daß es beim festival contre le racisme gar nicht darum geht, den Rassismus oder den Faschismus an sich zu bekämpfen. Ganz im Gegenteil – es gäbe für unsere Freund_innen bei den Uni-Linken nichts Schlimmeres als eine Nichtexistenz des Rassismus. Denn der Vorwurf, selbigen zu kultivieren, muß gegen Staat und Gesellschaft erhoben werden können und so als Daseinslegitimation des Party-Antifantentums wie als Instrument im politischen Kampf gegen die gute Tante Bundesrepublik zur Verfügung stehen.

Hinter beliebten Personen des öffentlichen Lebens verbirgt sich oftmals die Fratze des Faschismus. Diesen offenzulegen und zu bekämpfen braucht es die VVN-BdA und den Kölner AStA

Und so prangen im Panoptikum des Grauens, das die Ausstellung eröffnet, neben Wehrmachtssoldaten, SS-Junkern, Reichsbauernführern und Neonazi-Skinheads auch Rechtskonservative wie Dieter Stein, überdies solch bekannte Erzfaschisten wie Thilo Sarrazin, Roland Koch und Guido Westerwelle. Die Junge Freiheit, die Sezession, die Burschenschaftlichen Blätter und der Focus dürfen sich eingereiht sehen neben NS-Propagandaplakaten und Neonazi-Publikationen aller Art. Die Geschichte der BRD wird dargestellt gewissermaßen als nachwirkende Kollaboration mit jenem österreichischen Vegetarier, Opernfreund und Hundehalter, der vor seinem selbstinduzierten Ableben dem deutschen Volk noch die Vernichtung wünschte.

          Dabei ist den Ausstellungsmachern zunächst wurscht, daß man Eliten nicht nach Belieben austauschen kann – was, entgegen anderer Behauptungen, auch das Arbeiter- und Bauernparadies DDR nicht in jedem Bereich getan hat – daß ferner in den frühen 1960er Jahren eine überaus wirksame Selbstentbräunung der Bundesrepublik einsetzte, die schon aufgrund der chronologischen Abfolge mit den, nun, Errungenschaften der 68er rein gar nichts zu tun hat. Insofern ist die so beliebte Darstellung der BRD als Naziparadies schlicht und einfach quatsch. Das ist natürlich den Ausstellungsmachern egal.

Auch heute sind wir in der BRD von subtiler Nazipropaganda umgeben

Ihre Botschaft: Der Rassismus bzw. der Faschismus (zwei ihres urspünglichen Sinnes entleerte, synonym verwendbare Chiffren) lauert überall! Er ist BRD-inhärent und institutionell verfestigt, versteckt sich lediglich oder wird, wie es auf einem Plakat so schön heißt, bis zur Pensionierung aus taktischen Gründen verheimlicht. Zum Abschluß dieser didaktisch geschickt konzipierten Ausstellung werden dem über soviel Faschismus zutiefst entsetzten Zuschauer endlich die Kräfte des GutenTM präsentiert: Die Antifa und insbesondere der Ausstellungsmacher, die VVN-BdA, die als einzige des Faschismus/Rassismus unverdächtig, die so dermaßen tolerant und demokratisch ist, daß sie vom Verfassungsschutz in dessen Hetzberichten mehrfach unter der Rubrik „Linksextremismus“ geführt wurde.

          Nun könnte man sich beklagen, daß mit Kooperation einer deutschen Uni militante staatsfeindliche Propaganda gemacht wird, daß der AStA sich nicht sonderlich um studentische Politik kümmert – wie schon ein Blick auf dessen Netzpräsenz illustriert – sondern stattdessen mit Antidemokraten gemeinsame Sache macht, ihnen Räumlichkeiten und, wie man annehmen kann, Finanzmittel zur Verfügung stellt. Aber gut, bescheuert sein ist nicht verboten. Wir träumen im Gegenzug lediglich davon, etwa einen Presseoffizier der Mittenwalder Gebirgsjäger zu einem Vortrag über ‚Soldatische Tugenden unter den Bedingungen des asymmetrischen Krieges‘ oder ‚Tradition und Traditionspflege der deutschen Gebirgstruppe‘ einzuladen.

Diese Herren sind an der Kölner Uni unerwünscht. Es handelt sich nämlich, laut einer Ausstellung im Mensagebäude, um Neofaschisten. Außerdem sind es vermutlich keine Pazifisten

Doch selbst wenn die Freund_innen von Toleranz und Pluralismus aus lauter gutherziger Empörung deswegen die Uni nicht in Schutt und Asche legten – sogar böse Rassisten wie Markward und ich würden zu diesen Vorträgen nicht erscheinen. Denn wir wissen natürlich sehr genau, daß AStA-Mitglieder wie Jonas Thiele und Cedric Waßer für ihr selbstdarstellerisches Engagement als grünlich-dunkelrote Politclowns später von jedem Personaler ein Schulterklopfen bekommen, daß sie wahrscheinlich bei den Grünen steile Karriere machen können, während wir um unserer beruflichen Existenz willen tunlichst vermeiden müssen, diesen Blog und die vielen Stunden der dafür investierten Zeit zu erwähnen.

          Eins nämlich steht fest: Falls wir wider Erwarten doch etwas anderes werden wollten als Taxifahrer und Callcenter-Mitarbeiter, dann sollten wir, dank der Arbeit engagierter Antirassist_innen, unsere Meinung zu derartig blödsinnigem Scheiß wie dem festival contre le racisme bis zur Pensionierung aus taktischen Gründen besser verheimlichen. In der Zwischenzeit bitten wir die lokale Antifantenszene, wenigstens nicht ganz soviel Krach zu machen. Aufrechte Rassisten wie Markward und ich sind immerhin leise; wir belästigen niemand, wenn wir durch die Fußgängerzone gehen und „Neger“ denken.


Heimlichtuerisch

Ewald Knülle/Markward von Annweiler, 9. 7. 2011

Leseempfehlung: Wir machen, wie wir erfahren durften, einen der größten Fehler der Konservativen.


Bilder: uncyclopedia.org (2x); motivatedphotos.com; merkur-online.de

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10 Antworten zu Antirassismus ist Ruhestörung

  1. Lodmund der Alte schreibt:

    Ich bin Rassist, ungefähr so wie Albert Schweitzer auf seine alten Tage. Man gurgele unter „Dikigoros“ – „Lebensläufe“ – „Heilige“…aus Jux auch mal unter: „Mein afrikanisches Notizbuch“! Anders gesagt, ist Rassismus überhaupt nicht bäh.

    • immhoff schreibt:

      Das hängt vom Standpunkt ab. Natürlich sind Markward und ich aus Sicht des Kölner AStA und der VVN-BdA Rassisten und Neofaschisten. Da sind wir auch stolz drauf, denn von solchen Hampelmännchen, Hampelweibchen und Hampeltransgendern so bezeichnet zu werden, ist geradezu ein Adelsprädikat. Allerdings: Während ich mit Michael Klonovsky sagen würde, lieber mit einem intelligenten Rassisten diskutieren als mit einem dieser ewig gleichmeinenden linksalternativen Toleranz-Großmeister, so würde ich doch behaupten, daß jede einzelne Kultur, jede Ethnie schlicht ein Teil der Vielfalt (also nicht: der Gleichheit) des Menschen ist und überdies ihrem jeweiligen Lebensraum bestens angepaßt, insofern jeweils an der Speerspitze der Evolution. Wie lange würden Sie im australischen Outback überleben? Allein wegen seiner ethnischen Zugehörigkeit ein Überlegenheitsgefühl zu kultivieren, ist vermessen.

    • Skeptizissimus schreibt:

      Das afrikanische Notizbuch sollte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden; es handelt sich um eine wunderbare Waffe. In der Tat scheint es auch antiquarisch (zumindest über den ZVAB) nicht zu erhalten zu sein, und es ist so gut wir nichts darüber im Netz in Erfahrung zu bringen. Wer ein Exemplar besitzt, sollte es skannen oder transkribieren und ins Netz stellen! Auf der Seite von „Dikigoros“ gibt es leider keine Kontaktmöglichkeit.

  2. Dietmar schreibt:

    „…durch die fussgängerzone gehen und „Neger“ denken.“ 1000 Dank! You made my day in dieser schwierigen Zeit der Kässmänner und -frauen.

  3. Karl Eduard schreibt:

    Wichtig ist aber, daß „Rock für den … “ oder „Rock gegen … “ den Rock erst einmal kulturell adelt. Wie auch jede andere Musik. Der Mozart mußte noch durch Leistung überzeugen oder der Händel oder Beethoven. Heutzutage ist aber entscheidend, welchen Klassenstandpunkt der Instrumentenversager einnimmt. Rock gegen AIDS ist aber auch ganz hilfreich.

  4. Skeptizissimus schreibt:

    Wir wär’s denn mal mit einer Matinee mit Kammermusik gegen die Antifa (oder gegen Grün oder gegen Links)? Hört Euch doch mal bei der Musikhoschschule um, ob es da nicht eventuell Gleichgesinnte gibt. Wäre das nicht herrlich, so etwas an einem hochfrequentierten Ort in der Uni zu veranstalten? Entwaffnend kultiviert und ganz dezent, aber trotzem offensichtlich? Ihr könntet doch auch selbst eine kleine Ausstellung organisieren (ja, ich weiß, dass so etwas unheimlich schwer ist, weil die insitutionelle Unterstützung und der finanzielle Rückhalt fehlen. Ich würde aber zu den Personen gehören, die zehn Euro spenden würden, wenn mir ein konkretes Projekt vorgestellt wird). Ansonsten: Weiter so mit der „Pickelhaube“!

    • immhoff schreibt:

      Danke für die Ermutigung. Leider sind wir derzeit durch universitäre Verpflichtungen stark eingebunden, überdies wäre eine solche Veranstaltung der soziale Tod an der Uni Köln. Mit wohlwollenden Prüfern könnten wir nicht mehr rechnen. Ich will den hiesigen Dozenten nicht unterstellen, sie würden ihre Notenvergabe an politischen Kriterien ausrichten. Doch da manche von ihnen, wie etwa Prof. Christoph Butterwegge, stark linkslastig sind, wäre es wohl ein Spiel mit der eigenen Zukunft, hier als ‚rechts‘ aufzufallen. Mit einer massiven Hetzkampagne inkl. Steckbriefe an jeder Wand müßte man jedenfalls rechnen, wenn die Veranstaltung öffentlichkeitswirksam wäre. Also besser schweigen, duckmäusern und sich anonym in bedeutungslosen Blogs austoben, das ist unsere Devise!

      Gruß
      Ewald Knülle

      • Skeptizissimus schreibt:

        Ja, das ist schade, aber ich kann es schon verstehen. Es gibt übrigens auch Dozenten, die alles andere als linkslastig (ich würde hier nicht notwendigerweise davon ausgehen, dass sie „rechts“ sind, sondern dass sie gesunden Menschenverstand besitzen und wirkliche Wissenschaftler sind) und von dem ganzen linken Zirkus ebenfalls angewidert sind. Da sie ebenfalls mit Rufmordkampagnen rechnen müssen (dem Soziologen Jost Bauch – nur Privatdozent – ging es in Konstanz so, weil er in der JF geschrieben hatte), halten sie natürlich ebenfalls mit ihren Ansichten hinterm Berg. Ich weiß nicht, wie es in Köln aussieht, aber da es sich um eine große Uni handelt, müsste das Licht der Vernunft doch eigentlich auch in einige Dozentenhirne scheinen.

      • immhoff schreibt:

        Das auf jeden Fall, meiner Erfahrung nach sind die Dozenten zuallererst am Erkenntnisgewinn orientiert, sie freuen sich über engagierte Studenten und nehmen ihren Lehrauftrag sehr ernst. Sie würden niemals schlechte Noten deshalb verteilen, weil ihnen jemand aus irgendwelchen Gründen persönlich nicht zusagt. Aber natürlich sind manche Dozenten links bis sehr links und halten an ihren Überzeugungen (Multikulturalismus, Pazifismus, Feminismus, Egalitarismus) sehr offensiv fest. Das alleine ist ja nicht schlimm, doch sind die genannten Überzeugungen Bestandteil der Lehre in manchen Bereichen der Geisteswissenschaften. Daher kann man in einer Prüfung wohl schlecht eine gute Note erwarten, wenn der Dozent weiß, daß man die von ihm wissenschaftlich vertretenen Auffassungen für Quatsch hält.

  5. Skeptizissimus schreibt:

    Ja, das ist natürlich offensichtlich. Da man solchen Dozenten aus gegebenen Gründen nicht persönlich die Stirn bieten kann, würde ich ihnen zumindest etwas Passendes unter der Tür durchschieben bzw. an die Tür kleben. Für Feministen ist dies hier z.B. ganz wunderbar:
    http://ef-magazin.de/2010/12/16/2743-gender-belletristik-tolstaja-statt-tolstoj
    Und für die Postmodernisten und Dekonstruktivisten (und das sind alle linken „Intellektuellen“ ja irgendwie) empfehle ich das hier:
    http://ef-magazin.de/2010/08/02/2404-hochstapelei-das-geschwafel-der-geisteswissenschaftler

    Ein bisschen Paroli bieten muss man ihnen ja schon, denn immerhin sind sie ja die (fremdgesteuerten) Verderber der Jugend. Auch wenn ich die Wahrheit ja schon lange weiß, deprimiert es mich immer wieder, wenn mir Gesprächspartner – Studenten und Dozenten – unbewusst beweisen, dass deutsche Universitäten Umerziehungsanstalten sind; daher ist es für mich eine Wohltat, diesen Blog hier zu lesen und zu sehen, dass es doch noch Inseln der Vernunft gibt.

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