Panzer für die Welt

Der Plan der Bundesregierung, 200 Leopard-Panzer an Saudi-Arabien zu verkaufen, stößt erwartungsgemäß bei der Opposition nicht eben auf Gegenliebe. Die Pickelhaube aber meint: Je mehr moderne Waffensysteme wir ins Ausland verhökern, desto besser! Als Deutscher nämlich kann man stolz sein auf die heimische Rüstungsindustrie. Von unserem Wehrtechnik-Korrespondenten Ewald Knülle

Wir stehen in stolzer Tradition: Die deutschen Rüstungsingenieure haben der Welt solch großartige Erfindungen geschenkt wie den modernen Flammenwerfer, das Senfgas (in waffenfähiger Form), das Sturmgewehr, den Düsenjäger oder die ballistische Rakete. Sie haben die am schnellsten feuernden Maschinengewehre konstruiert, die dicksten und die längsten Kanonen gebaut und – in Form der Landkreuzer – die größten, bösesten jemals erdachten Panzerfahrzeuge geplant.  Ist das nicht absolut grandios?

Auch heute noch ist deutsche Wertarbeit maßgeblich. Sämtliche modernen U-Boote gehen letztendlich in Formgebung und Innenraumgestaltung auf den deutschen Typ XXI zurück. Neben dem prachtvollen Leopard gilt die schmucke Panzerhaubitze 2000 als international anerkanntes deutsches Qualitätsprodukt. Die Amis beneiden uns um das herrliche Gewehr G 36; überhaupt sind Panzerfahrzeuge, U-Boote, Fregatten, Gewehre und Maschinenpistolen deutscher Hersteller weltweit im Einsatz. Mit stolzgeschwellter Brust wird also jeder Deutsche seine Begeisterung herausschreien können: Deutsche Waffen, deutsches Geld, morden mit in aller Welt!

Auch türkische Infanteristen vertrauen im Einsatz gegen kurdische Aufständische auf deutsche Wertarbeit

Nun aber genug mit der Schwärmerei für deutsche Waffentechnik – kommen wir zu bodenständig-volkswirtschaftlichen Zusammenhängen zurück. Wie, so wird man fragen, verhält es sich mit dem ökonomischen Aspekt des Leopard-Geschäfts?

Immerhin ca. 1,7 Milliarden Euro Ölgeld würden den deutschen Rüstungskonzernen zugute kommen. Und da sind eventuelle Schmiergeldzahlungen und Schwarzgeldkonten noch gar nicht eingerechnet! Allein deswegen muß jeder Konservative die Bundesregierung rückhaltlos unterstützen: Die Freude, die er beim Anblick eines wutschnaubenden Gysi, einer angstzitternd-entrüsteten Käßmann, eines rot anlaufenden Bsirske emfinden wird, macht sämtliche Steuergelder wieder wett, die wir in unsere hochsubventionierte Rüstungsindustrie stecken.

Natürlich, und da hat die Opposition ja vollkommen recht, ist Saudi-Arabien kein feministisch-multikulturelles Toleranzparadies. Die einzige einigermaßen stabile Demokratie in der Region ist ausgerechnet jenes Land, das von so manchen Abgeordneten der Linkspartei als imperialistisch-völkermordendes Besatzerkonstrukt dargestellt wird. Kann man also guten Gewissens Panzer nach Saudi-Arabien exportieren?

Man muß ihn einfach lieben!

Aber klar doch! Wie die des Konservatismus unverdächtige, aber durchaus reflexionsfähige Süddeutsche Zeitung nämlich heute anmerkte (7. 7. 2011, S. 2), war es die rot-grüne Regierung, die 2005 den Verkauf von fast 300 Leopard-Panzern an die Türkei billigte – an einen Staat also, dessen in Hürriyet und TRT ausgedrücktes Wohlwollen zwar für den Wahlerfolg hiesiger Parteien äußerst förderlich ist, der aber nicht eben für zärtlichen Umgang mit ethnisch-kulturellen Minderheiten bekannt ist. Wenn also jene Parteien, denen mit Claudia Roth, Volker Beck, Hans-Christian Ströbele und Sebastian Edathy die gutesten Mensch_innen dieses Landes angehören,  ein solches Geschäft zustandebringen – dann dürfen CDU und FDP das allemal.

Ölgeld für Rüstungskonzerne, Panzer für eine islamische Monarchie, die Frauen das Autofahren verbietet – wie könnte man da nicht begeistert sein? Auf das in Zukunft noch viele deutsche Waffensysteme ihren Weg in fremdländische Diktatorenhand finden!  Für eine bunte und weltoffene Rüstungsindustrie! Panzer für die Welt!

Schwärmerisch

Ewald Knülle, 7. 7. 2011

Bilder: Die Pickelhaube in Kooperation mit Brot für die Welt; withfriendship.com; imageshack.us

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4 Antworten zu Panzer für die Welt

  1. Joachim schreibt:

    So löst Saudi-Arabien vorbildlich das Pkw-Fahrverbot! Die Mädels fahren einfach Leopard – keiner kann sie da drin sitzen sehen, genial!

    • immhoff schreibt:

      Sie haben vollkommen Recht – die Bundesregierung trägt mit dem Leopard-Verkauf zu nichts Geringerem als zur Emanzipation in Saudi-Arabien bei!

      Gruß
      Ewald Knülle

  2. Joachim schreibt:

    „Ayshe – get your gun!“

  3. Arjan Witte schreibt:

    Marx und Spengler sagten es bereits: dies is die notwende der Kapitalistischen spaetordnung. Democratie hat damit weniges zu tun.

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