Großartig: Island-Wochen in der Uni-Mensa!

Seit dem Sommersemester 2011 gibt es an der Kölner Uni-Mensa als Ergänzung zum bereits bestehenden vegetarischen Angebot auch ein veganes Mittagsgericht. Damit ist eine alte Forderung der Grünen Hochschulgruppe, die sich um die Diskriminierung von Veganern sorgte, endlich erfüllt worden. Jene 1,6 % der deutschen Bevölkerung, die sich vegan ernähren, können also beruhigt aufatmen. Nun hat sich auch die Pickelhaube an das Studentenwerk gewandt und Gestaltungsanspruch auf den akademischen Mittagsteller erhoben – es muß endlich Schluß sein mit dem nutzlosen Tierschutzkokolores! Von unserem Tierschutz-Korrespondenten Ewald Knülle

Bald auch in der Kölner Uni-Mensa: Das isländische Nationalgericht Svið

Das Ergebnis unserer Bemühungen sind die Island-Wochen: Wer an Völkerverständigung und interkulturellem Dialog interessiert ist, der wird in den kommenden Wochen eine kulinarische Reise zur größten Vulkaninsel der Erde unternehmen können. Der Speisesaal MG Nord bietet dann in Form eines Tellergerichtes verschiedene isländische Spezialitäten an, insbesondere das Nationalgericht Svið. Warum wir uns gerade für Island als Bestimmungsort der kulinarischen Reise entschieden haben? Ganz einfach: Wegen der vorbildhaften Liebe der Inselbewohner zur lokalen Tierwelt.

Während nach Auffassung der  Kölner Campusgrünen Schafe einzig dazu da sind, auf Wiesen herumzustehen und dämlich auszusehen, haben die Isländer zu dem robusten und genügsamen Wollknäuel ein wesentlich innigeres Verhältnis. Denn als Bewohner eines kargen, ressourcenarmen Felsbrockens muß man zwangsläufig alles essen, was einem auf den Teller kommt. Folgerichtig wird nicht nur Rücken, Hoden, Bauch und Bein des Schafes zur Verdauung vorbereitet. Auch sein Kopf wird abgetrennt und zur Entfernung der Wolle angesengt, daraufhin längs durchgesägt und gekocht! Das Gehirn wird entfernt, die Augen nicht – sie gelten als besondere Delikatesse. Ist das nicht absolut fantastisch?

Isländisches Kochrezept

Isländische Kochrezepte sind auch dann verständlich, wenn man die Sprache nicht beherrscht

Spätestens jetzt sollte deutlich werden, daß man die Isländer und ihre Kultur einfach lieben muß. Doch es kommt noch besser: Nicht nur die im Frühmittelalter eingeführten Schafe, sondern auch die Tiere der urtümlichen Fauna stehen auf dem Speiseplan der Insulaner. So etwa nutzlose Meeresbewohner wie Robben oder Grönlandhaie, die den Fischereikonzernen lediglich die Heringe wegfressen. Eine besondere Spezialität ist ferner das Herz des Papageientauchers, das roh verzehrt wird.

Ein wahrhaft putziger Gesell: Der Papageientaucher. Die Isländer lieben ihn insbesondere dann, wenn er ihnen sein Herz schenkt

Voller Vorfreude erwarten wir also die nächste Woche, die uns weltoffenen, toleranten, kulturbegeisterten Kölner Studenten einen Blick über den Tellerrand erlauben wird. Nun mögen allerdings die Campusgrünen einige, nun ja, Vorbehalte gegenüber unserer Begeisterung hegen. Immerhin betonen sie ja, daß man nichts essen sollte, was sein Spiegelbild erkennt.

Doch sei Philip Oeser, ihrem Volkskommissar für Ernährung, folgendes gesagt: Randständige Minderheiten wie die Isländer aufgrund ihrer kulinarischen Vorlieben zu verurteilen, wäre geradezu kulturimperialistisch. Daß eine kalte, karge Umgebung wie Island zu innovativen Ernährungsmethoden zwingt, dürfte auch dem bundesdeutschen Wohlstandsmenschen einleuchten. Denn es ist ja – und dies gilt es zu betonen – vegane Ernährung ein Luxus, den erst die hochentwickelte kapitalistische Gesellschaft ermöglicht hat. Erst in einer funktional hochgradig ausdifferenzierten Gesellschaft mit tertiärem und quartärem Wirtschaftssektor nämlich ist der Großteil der Bevölkerung nicht mehr gezwungen, das eigene Auskommen durch harte körperliche Arbeit zu sichern, die einen hohen Nährstoffbedarf mit sich bringt. Und erst Agrarkapitalismus und Infrastruktur ermöglichen jene Vielfalt des Warenangebotes, die für Veganer zwingend notwendig ist: Wer als Pflanzenfresser nicht unter massiven Mangelerscheinungen leiden möchte, muß sehr genau auf seine Ernährung achten und die Kost stark variieren. Rüben und Kartoffeln alleine reichen bei weitem nicht. Insofern ist der Veganismus nichts anderes als eine Modeerscheinung der vom Kapitalismus begünstigten Mittel- und Oberschicht. Ob dies auch auf die Grünen insgesamt zutrifft, sei dahingestellt.

War das lecker!

Hier noch ein sehr empfehlenswertes Video von der Zubereitung und dem Verzehr einer Portion Svið. Da läuft mir doch das Wasser im Mund zusammen. Bis nächste Woche in der Uni-Mensa! Für eine bunte und weltoffene Küche!

Kulinarisch

Ewald Knülle, 12. 7. 2011

Übrigens: Svið (das ð, genannt eth, wird gesprochen wie das th im englischen father) ist Relikt aus einer Zeit, in der man wirklich alles Verfügbare zum Kalorienlieferanten umfunktionieren wollte/mußte. So etwas haben wir auch: Den guten alten Pfälzer Saumagen, der letztendlich den Versuch darstellt, Schlachtabfälle vom Schwein in schmackhafter Form auf den Teller zu bringen. Insofern möchten wir unseren Lesern – ganz ernsthaft jetzt – nahelegen, einen solchen Saumagen mal im Restaurant zu bestellen, es handelt sich um ein Stück deutsche Vergangenheit.

Bilder: wikimedia commons; youtube.com

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6 Antworten zu Großartig: Island-Wochen in der Uni-Mensa!

  1. RetroMetro schreibt:

    Wann sind endlich die Indogenen Wochen? Ich möchte Maden, Spinnen, Menschenköpfe, Gorillahände und Elephantenrüssel? Ich freue mich besonders auf den Beschneidungsstand am Rande der Wochen und natürlich den Jungfrauenopferungen-Workshop.

    LGRM

    Antwort Ewald Knülle: Wir werden Ihre Vorschläge dem Studentenwerk unterbreiten! Das mit den Beschneidungen und Jungfrauen allerdings müßte man dem Karneval der Kulturen überlassen, es geht ja lediglich um die Mensa und ihr Mittagsangebot.

  2. Skeptizissimus schreibt:

    Beim Saumagen handelt es sich mitnichten um Vergangenheit! In jedem anständigen Pfälzer Restaurant und Biergarten kann man einen solchen bestellen, was ich durchaus jedem empfehlen kann. Letztendlich handelt es sich um eine Art schwere Pastete, die zumindest früher in einer Magenblase abgefüllt wurde. Oft wird auch ein Pfälzischer Teller angeboten: Saumagen, Bratwurst, Knödel, Sauerkraut und Brot. Mmmmhhh, das tut besonders gut, wenn man eifrig dem Pfälzischen Riesling zugesprochen hat…

  3. Karl Eduard schreibt:

    Das ist richtig. Nur Dank der ausbeuterischen kapitalistischen Gesellschaft können Veganer vegan leben, sie sind sozusagen die Hauptprofiteute des globalen Imperialismus, während die millionenköpfige Veganerbewegung 1935 in der sowjetischen Ukraine mangels abgeweideter Felder, Wiesen und Waldschonungen erfolglos und entkräftet zusammenbrach.

  4. Sophist X schreibt:

    Bin jetzt erst über das hier gestolpert und habe mit Bedauern festgestellt, dass das genau meine Meinung ist. Irgendwer hier, der besser schreiben und recherchieren kann als ich, scheint meine Gedanken zu lesen. Ich verlange, dass das sofort abgestellt wird.
    Hier noch das Rezept für Fermentierten Hai (Hákarl):
    http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A1karl
    Ich zitiere:
    Geruch und Geschmack des Gerichts sind sehr intensiv und können bei Kulturfremden Ekel auslösen, mitunter auch bei Isländern selbst
    …Die traditionelle Zubereitung von Hákarl ist langwierig: Der Hai wird ausgenommen, entgrätet, gesäubert und gewaschen. Dann wird eine Grube in grobkörnigem Kies gegraben, das Haifleisch wird eingegraben und durch daraufliegende Felsstücke ausgepresst. So wird es belassen – im Sommer sechs bis sieben Wochen…
    Man sollte die Islandwochen also längerfristig planen.

    • immhoff schreibt:

      Die Artikel hier geben Ihre Meinung wieder? Sie sollten sich umgehend bei Ihren lokalen Uni-Linken/Grünen in sozialpsychatrische Behandlung begeben!

      Gruß
      Ewald Knülle

  5. chronographics schreibt:

    ich brech ab… es gibt also noch schlimmere hochschulgruppen als unsere. hier haben sie es auch mit vegan probiert aber sind grandios an der unfähigkeit der köche gescheitert. heute gabs mal vegan, irgendeine tofupampe, die aussah wie geschnetzeltes. wollte komischerweise kaum jemand, und die die es nahmen, haben es mit eintopf á la fleischpampe verwechselt…

    wie kommt es nur, dass campus-grün mit ihrem geschrei und ihrer akuten dummheit überall gehör und gehorsam findet????

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