Angewandte Selbstgeißelung (I): Gewalt und Politik

Die Pickelhaube berichtet seit inzwischen einem Jahr über den alltäglichen Politquatsch an der Uni Köln und trägt ihren bescheidenen Teil dazu bei, das Niveau hochschulpolitischer Debatten noch weiter ins Bodenlose zu senken. Wir haben also allen Grund, auf das bisher Erreichte Stolz zu sein. Gelegentlich aber sollte man innehalten und das eigene Tun hinterfragen. Von unserem Selbstreflexions-Experten Ewald Knülle

Üben Selbstkritik: Markward von Annweiler (links) und Ewald Knülle

Die Frage, ob zornige Rhetorik für den Doppelanschlag in Norwegen ursächlich verantwortlich ist, ob sie als Auslöser fungierte oder dem Attentäter lediglich dazu diente, eine im Kern nihilistische Mordlust mit dem Glorienschein des Freiheitskampfes zu umgeben, können wir nicht beantworten. Doch wäre jetzt für jeden, der sich der politischen Rechten zuordnet und publizistisch tätig ist, ein angemessener Zeitpunkt zum Nachdenken.

Zwar ist die Pickelhaube mit ihrer stabil einstelligen Leserzahl im Vergleich zu den derzeit scharf kritisierten Blogs geringfügig weniger einflußreich. Zudem verfolgt sie eine andere Programmatik und Thematik. Doch ist es ja in der Tat so, daß sich auch aus manchen unserer Artikel eine gewisse Abneigung gegenüber den (hiesigen Hochschul-) Linken herauslesen läßt, sozusagen zwischen den Zeilen.

Zugegeben: Unsere Kritik etwa an den Campusgrünen ist nicht ausschließlich wohlwollend, fair und konstruktiv gewesen. Das wird sie auch in Zukunft nicht sein. In jedem Fall aber sollte eines feststehen: Bei politischen Auseinandersetzungen ist in bewährter Pickelhauben-Manier auf Polemik und Rabulistik, auf billigste Beschimpfungen und hysterisches Gekreisch zu setzen, nicht aber auf das Sturmgewehr. Das gebietet  allein schon der menschliche Anstand, der in Restbeständen sogar bei uns noch vorhanden ist.

Jetzt mögen unsere Leser entrüstet mit dem Schaftstiefel aufstampfen, ihr Monokel auf den Boden pfeffern und angewidert fragen, ob sie denn in Zukunft das Faschinenmesser nur noch zum Möhrenschälen benutzen dürfen. Die Anwort ist: Ja!

Auch zum Möhrenschälen geeignet: Ein preußisches Faschinenmesser von 1810

Denn mal ehrlich – wie unendlich ärmer wäre die Uni Köln ohne ihre linksintellektoiden Aushilfs-Agitatoren, die beim Bestreben, möglichst komplizierte Wortgebilde zu bandwurmartigen Habermas-Satzkonstrukten zu verknüpfen, in den unfertigen Schlingen der eigenen Syntax sich verfangen und publizistisch der Länge nach hinschlagen? Unzählige minutenlange Lachkrämpfe entgingen uns täglich, wären sie nicht, diese weltenrettenden, dauersalbadernden Argumentationskontorsionisten, die in jungrevolutionärer Beflissenheit sämtliche Gesetze von Logik und gesundem Menschenverstand einer steten Neuinterpretation unterwerfen, und das vor breitem Lesepublikum zur allgemeinen Erheiterung. Wahrlich: Welch ein Heidenspaß ist doch die Lektüre der allsemesterlichen Philtrat, der grün:fläche oder der geschätzten 10.000 themengleichen Handzettel! All dies bieten nur unsere Linken; der RCDS sieht im Vergleich reichlich alt aus mit seinen Forderungen z. B. nach mehr Laptop-Arbeitsplätzen.

Wer sich überdies nach Geselligkeit und körperlicher Aktivität sehnt, der kann dank unserer Linken an diversen Partyveranstaltungen wie Castor-Schottern und Nazi-Stoppen   teilnehmen. Wer ferner an kraftfahrzeugbezogener Pyrotechnik, an Verbindungshaus-Fassadengestaltung und Kampfsport Interesse hat, der mag sich von den Campusgrünen direkt an die mit ihnen kooperierende lokale Antifa-Vereinigung vermitteln lassen. Kurzum: Die Linken tragen ganz entscheidend zur Lebensqualität an der Uni bei. Sie bespaßen jeden Studenten und jeden Mensa-Besucher mit ihrem innovativen Unterhaltungsprogramm – nahezu kostenlos! Nur ein kleiner Teil des Semesterbeitrags kommt ihnen zugute.

Was wäre die Kölner Uni ohne ihre Linken? Hier die Grüne Hochschulgruppe bei einer Kundgebung vor dem Hörsaalgebäude

Daher darf niemals irgendjemand Hand an sie legen. Zwar sind diejenigen Linken, die wir kritisieren, vollkommen bekloppt, aber gerade deswegen ja so unendlich liebenswert. Außerdem – und das meine ich jetzt ganz im Ernst – handelt es sich bei wohl 99,95% von ihnen um absolut friedfertige Bekloppte. Einen ca. 65 Kilo wiegenden, freundlich durch die Hornbrille schielenden Sonderpädagogikstudenten mit der Schulterbreite eines Wellensittichs kann ich mir jedenfalls nur schwer als Straßenschläger vorstellen. Und selbst bei Bodybuilder-Körpermaßen würde der Betreffende – da bin ich sicher – die Faust in der Tasche lassen.

Also, liebe Leser, tun Sie das doch bitte auch. Erfreuen Sie sich an den possierlichen Späßen Ihrer örtlichen Linksradikalen und behalten Sie das Faschinenmesser im Schrank. Wenn Sie Christ sind, dann lieben Sie ja ohnehin Ihre Feinde. Sind Sie Neuheide, sehen Sie davon ab, nach guter altgermanischer Sitte andere Leute im Moor zu versenken. In jedem Fall wird Gewalt nicht allein Ihren Mitmenschen, sondern auch Ihnen selbst, Ihrem und unserem politischen Anliegen nur Schaden zufügen.

Ihr friedfertiger Bekloppter

Ewald Knülle, 7. 8. 2011

Bilder: wikimedia commons (Flagellanten, Faschinenmesser); rt.com (Nationalbolschewisten)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Angewandte Selbstgeißelung (I): Gewalt und Politik

  1. Sophist X schreibt:

    Am Rande: Das Wort Reflektion existiert in keinem meiner Wörterbücher, die allerdings, genau wie meine Ansichten, aus dem vergangenen Jahrhundert stammen. Die jungen Leute heutzutage sind da vielleicht flektibler.
    Zu begrüßen ist es allemal, die konservativen, also gewaltaffinen Leser davon abzubringen, sich beim Lesen dieses Webangebots in massenmordende Biobauern zu verwandeln. Wievielen Sozialdemokraten und Israelkritikern das Leben gerettet werden könnte, würden alle ewiggestrigen Hassblogs diesen disclaimer übernehmen, lässt sich kaum abschätzen.

  2. Major Ente schreibt:

    Herr Knülle,
    schon seit längerem verfolge ich mit großer Begeisterung „Die Pickelhaube“, doch heute stutze ich beim Lesen. Ich hoffe doch, dass nur das große, leere Sommerloch daran Schuld ist, dass Sie in Ihrer Verzweiflung derartige Kuschel-Versuche mit dem internationalistischen Abschaum anstreben, ansonsten wäre ich schwer enttäuscht. Es ist in Ordnung, wenn Sie eine Pause einlegen, anstatt händeringend Themen suchen. Ansonsten könnten Sie auch eine zweite Sparte anlegen, in der Sie bundesdeutsche Thematiken aufgreifen, um so der Versuchung Unfug zu schreiben zu wiederstehen!

    Weiterhin alles Gute,

    Major Ente

    • immhoff schreibt:

      Sehr geehrter Herr Major,

      sehen Sie es mal so: Unsere Existenz verdanken wir solch grandiosen Geistesakrobaten wie Cedric Waßer, dessen verschriftlichter Gehirnschluckauf mir die großartigsten Lachanfälle meiner kümmerlichen Existenz beschert hat. Würde nun jemand ihn und andere Hobby-Kommunisten mit dem Sturmgewehr terminieren, dann hätten wir nichts mehr, worüber wir lachen und schreiben könnten.

      Dazu kommt folgendes: Unsere Überzeugung ist es, daß zwischen den Kölner Uni-Linken und dem Linksextremismus institutionelle, inhaltliche und wohl auch personelle Überschneidungen bestehen. Wenn Sie die Pickelhaube verfolgt haben, dann wissen Sie, was ich meine. Wie aber könnten wir den Linksextremismus anprangern und uns dabei auf das Grundgesetz berufen (z. B. in „Das Frühstück der Finsternis„), ohne den hiesigen Vulgärmarxisten zumindest ihre grundgesetzlich verbrieften Rechte zuzugestehen?

      Insofern möchte ich – bei aller Gefahr, einen unserer wenigen Leser zu verprellen – behaupten: Gewaltverzicht ist keineswegs ein Kuscheln mit dem Internationalistengerümpel, sondern Grundlage konservativen, christlichen, staatsbürgerlichen Anstands. Hat Götz Kubitschek bei der KSA etwa Günter Grass weggeboxt?

      Selbstverteidigung gegen prügelndes, steinewerfendes Antifantentum – das gibt’s ja auch hier in Köln, fragen Sie mal die Burschenschaft Germania – ist davon natürlich ausgenommen.

      Gehorsamst
      Ewald Knülle

  3. Kunibert v. Krötenschreck schreibt:

    Ich war hier, glaube ich schon mal, aber das muss lange her sein. Kann auch sein, dass ich mich da lobend geäußert habe, aber wenn ja, hab ich es vergessen. Darum jetzt noch mal: Machen Sie weiter so, junger Mann (?). Was Sie hier machen, finde ich knorke.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s