Gelobt sei, was dick macht

Es ist jedesmal ein erschütternder Anblick: Mittags bilden sich in der Uni-Mensa lange Schlangen vor zutiefst undeutschen Gerichten wie Poulardenbrust „Indonesia“, Fusilli mit Gemüsearrangement und Pangasiusfilet. Inzwischen sind gar solche Abscheulichkeiten beliebt wie die vegane Bratwurst, dieses daumendicke Oxymoron politisch korrekter Wohlfühlküche*. Der gut teutonische Eintopf mit Mettwurst dagegen findet trotz des geringen Preises nur wenige Bewunderer. Das muß sich ändern! Ein eindringlicher Appell von Ewald Knülle

Mettwurst - Du bist die Krone aller Würste

Wie kann man nur die deutsche Mettwurst verschmähen? Zugegegeben: Die Fusilli lassen eine etymologische Nähe zum Füsilieren vermuten, was herrliche Vorstellungen schneidiger Militärgerichtsbarkeit weckt. Letztendlich aber klingt Fusilli widerwärtig welsch. Mit Poularde ferner würde ich bestenfalls eine französische Buhldirne assoziieren, mit Pangasius eine prähistorische Affenart. Appetitlich klingt jedenfalls nichts davon. Im Rahmen einer intensiven, zweiminütigen Wikipedia-Recherche erfahre ich dann, daß es sich um italienische Spiralnudeln, um ein junges Masthuhn sowie um einen südostasiatischen Haiwels handelt. Das aber bestätigt nur meinen Anfangsverdacht: Diejenigen Gerichte, die sich in der Mensa der größten Beliebtheit erfreuen, sind zutiefst undeutschen Charakters. Wer also sämtliche Untergangsprognosen für unser Volk und unsere Kultur bestätigt sehen möchte, braucht sich nur gegen 13 Uhr in der Kölner Uni-Mensa einzufinden.

Was ist nur aus des Deutschen Liebe zu seiner Mettwurst geworden? Wie kaum ein anderer Darminhalt steht sie für die Einheit unseres deutschen Volkes, das in sich so viele Stämme vereint, wie es Mettwurstvariationen gibt: Im Süden bevorzugt man die eckige, feste Form (Landjäger); bei uns im Rheinland ist sie rund, weich und saftig. Weiter östlich wird sie gern auch luftgetrocknet (Eichsfelder Kälberblase), im Norden dagegen, an der Waterkant, räuchert man sie hart wie Kruppstahl (Knackwurst). All jene Variationen aber sind im Ganzen eins, sind die deutsche Mettwurst, so wie Bayern, Sachsen, Friesen usw. bei all ihren Eigenheiten zu einem deutschen Volke verschmelzen.

Die Mettwurst! Fleischgewordene Kollektividentität, geräuchertes Germanentum, luftgetrocknete Liebe zum Vaterland.

Die Mettwurst! Prachtvoll in ihrem güldenroten Mantel aus dem Darm des Schweines, saftig, würzig, kernig, frisch. Des Teutonenmannes Saft und Kraft: Die deutsche Mettwurst!

Der bei Studenten verbreitete Verzicht auf dieses urdeutsche Rohfleischerzeugnis kann nicht als Bagatelle abgetan werden. Eine Nation, die keine Nation mehr sein will, nähre sich von fremdländischem Schabernack oder veganem Nährstoffsurrogat. Der Deutsche aber bleibe bei seiner Mettwurst!

Wer weiß denn heute noch, daß die deutsche Nationalbewegung untrennbar mit der Mettwurst verbunden ist? Nach der Eroberung durch Napoleon nämlich sahen sich die Deutschen mit abartig welscher Kochkunst konfrontiert, in deren Ablehnung sie erst den Drang zur politischen Einigung, zur deutschen Nation entwickeln konnten.

So waren die Freiheitskriege nicht zuletzt die Auseinandersetzung zwischen Froschschenkel und Mettwurst. Der berühmte Schriftsteller Ernst Moritz Arndt verfaßte im Vorfeld der Völkerschlacht von Leipzig anno 1813 sein großartiges Lied „Was ist des Deutschen Leibgericht“ – Volltext siehe unten – das heutzutage leider nur noch in verfälschter Form bekannt ist. In dem Lied forderte er ein nationaldeutsches Gericht – eben die Mettwurst – das alle Deutschen einen und Kraft im Kampfe gegen den froschschenkelgenährten Erbfeind verleihen sollte. Dank der deutschen Mettwurst konnte schließlich in der Völkerschlacht die welsche Brut geschlagen werden.

Hier liegt die eigentliche Ursache für die Überlegenheit der deutschen Manneszucht! Denn der Franzos an sich ist ja auch nicht weniger krieglustig und -tüchtig als der Germane, wie wir voller Anerkennung zunächst feststellen. Doch laugte jahrhundertelanger Wein-, Frosch- und Schneckengenuß letztendlich selbst das heroische Geschlecht des Vercingetorix aus. Und so hat der von Bier und Fleisch genährte Teutonenmann gleich mehrfach seinen blitzartigen Siegeszug durch welsches Stammesland antreten können; entscheidender Faktor für den Sieg war jedesmal die deutsche Mettwurst. Etwa konnten im Jahr 1870 tüchtige Oktoberfestveteranen der 1. Bayerischen Division selbst die zu allem entschlossenen Verteidiger von Bazeilles überwinden – zweifellos primär wegen ihrer mitgeführten würzig-kräftigen Landjäger.

Von wegen Les dernières cartouches: Was den Troupes de Marine bei Bazeilles wirklich fehlte, war die Mettwurst

Und wer weiß heute noch, daß Wilhelm I. nach der Kaiserkrönung, noch im Spiegelsaal von Versailles, einen Teller Grünkohl mit Pinkel verzehrte, der ihm von den deutschen Fürsten als Ehrengabe dargebracht wurde? Begeistert von dem saftigen Fleischgericht erklärte der Hohenzoller die Mettwurst von nun an zu seiner Kronwurst.

Im Ersten Weltkrieg nahm die Steckrübe leider der Mettwurst ihren angestammten Platz – die Niederlage von 1918 war die logische Folge. Doch 1940 schließlich waren es bei Sedan und Montcornet die mettwurstgestählten Flakartilleristen der Wehrmacht, die mehrere anfänglich erfolgreiche Gegenstöße französischer Panzereinheiten aufhielten.

Heil dir im Grünkohlkranz, Kronwurst des Vaterlands, heil Mettwurst dir!

Solche Tatsachen sind seit 1968 durch vegetarische und vegane Geschichtsverfälscher aus dem kollektiven Gedächtnis der Deutschen getilgt. Deutschland, einst das Land der Mettwurst, ist nun zu einem dahinsiechenden Veganer-Bioladen verkommen. Dem gilt es sich entgegenzustellen! Wir wollen kein zweites 1918! So rufen wir hiermit alle Kölner Studenten auf, beim heutigen Gang in die Mensa undeutschen Firlefanz zu meiden und ausschließlich das Mettwurstgericht zu wählen. Gelobt sei, was dick macht!

Einheit, Mettwurst, Vaterland!

Ewald Knülle, 11. 8. 2011

Bilder: landschlachterei-ohlendiek.de; wikimedia commons (Les dernières cartouches); fleischerei-neumann.de

*Das ‚Brat-‚ in Bratwurst kommt nicht von braten, sondern von Brät. Die vegane Bratwurst ist daher ein Widerspruch in sich.

Ernst Moritz Arndt: Was ist des Deutschen Leibgericht? (1813)

Was ist des Deutschen Leibgericht?

Der Froschschenkel ist es wohl nicht!

Der Döner, der so gammlig riecht?

Die Pizza, die so schmierig trieft?

Oh nein, nein, nein!

Sein Leibgericht muß deutscher sein!

Was ist des Deutschen Lieblingsspeis‘?

Ist’s Blattgrün an Basmati-Reis?

Ist’s fair gehandelt und vegan?

Ist’s fleischlos, kalorienarm?

Oh nein, nein, nein!

Es muß von totem Mastvieh sein!

Wo gibt’s des Deutschen Leibgericht?

Beim Burger King ja doch wohl nicht!

Dort wo der Bioladen steht?

Dort wo die EHEC-Sprosse blüht?

Oh nein, nein, nein!

Nur an der Fleischtheke allein!

Was ist des Deutschen Leibgericht?

So nenne endlich das Gericht!

Es ist die Mettwurst fein und grob

Der deutschen Küche Gotteslob.

Die soll es sein! Die soll es sein!

Die, wack’rer Deutscher, nenne Dein!

Die deutsche Mettwurst soll es sein!

Oh Gott im Himmel, sieh darein

und gib uns rechten deutschen Mut,

daß wir sie lieben treu und gut!

Die soll es sein! Die soll es sein!

Die deutsche Mettwurst soll es sein!

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7 Antworten zu Gelobt sei, was dick macht

  1. Schneider schreibt:

    Und wieder einmal kann ich kaum in Worte fassen, wie glücklich mich die unermüdliche Arbeit der Pickelhaube macht. Fern von Köln, in der wiedervereinten Reichshauptstadt, verfolge ich jeden Artikel und ein externer Betrachter würde mich beim Lesen der Zeilen unbewusst nicken sehen.

    Der körperliche und geistige Raubbau der durch wohlklingende, politisch einwandfreie Nahrungsersatzmittel selbst in den heiligsten Bildungshallen der Universitäten stattfindet ist nur ein Indiz für den Verlust der gesunden Selbstwahrnehmung zu Gunsten einer Anbiederung an eine von Kochsendungen und TV-Suppenpäpsten geprägten Gesellschaft. In Zeiten, in denen selbst eine Bratwurst zu einem vegetarischen Nahrungsmittel mit Gutmenschqualitäten vergewaltigt werden kann, möchte ich mein gänzlich unveganes Papstat in die Rachen der Grünkohlverächter schleudern.

    Weiter so, werte Pickelhaube!
    Schneider

  2. Felix schreibt:

    Genialer Artikel.

  3. chronographics schreibt:

    genialer Beitrag!!!! richtig klasse!!! ok, ich mag keine Mettwurst, aber Grünkohl könnte es in der Mensa auch mal in nicht streichzart und geschmacklos geben 😉

  4. anna schreibt:

    Ich hatte neulich (in der Mensa) westfällischen Schinken, Bratkartoffeln und Sauerkraut. Zählt das auch? 😉
    Ansonsten: wirklich toller Artikel!

    • immhoff schreibt:

      Natürlich hat der westfälische Schinken nicht die glorreiche Geschichte der deutschen Mettwurst. Trotzdem können wir das gerade noch einmal durchgehen lassen.

      Gruß
      Ewald ‚Mettwurst‘ Knülle

  5. Skeptizissimus schreibt:

    Oh Vaterland magst ruhig Du sein,
    solange nur die Mettwurst Dein!

  6. Johannes schreibt:

    Das beste deutsche Essen : Linsen mit Spätzle und Saitenwürstle und dazu ein Trollinger.

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