Die geheime Offenbarung des Markward

Wir ruhen als träge Faulpelze auf weichen Kissen unter klimaneutralen Heizpilzen, hoffen auf die fortdauernde Kreditwürdigkeit der BRD, führen banale Debatten und achten uns fern vom bösen Tag. Doch hört die schrecklichen Worte der Offenbarung, welche die alte Germania selbst  ihrem Knecht Markward gegeben hat, auf dass er den Lesern seines Blogs künde, was in Bälde geschehen wird. Denn die Zeit ist nahe.

Was die Insel Patmos für den Seher Johannes war, ist für Markward das Wäldchen bei der Kölner Bismarck-Säule.

Ich Markward, euer Bruder und Gefährte in der Drangsal der unheiligen Herrschaft des Kölner AStA, weilte an jenem Ort, der da „Am Gustav-Heinemann-Ufer“ heißt. Sinnend verharrte ich am Denkmal des Reichsgründers. Da hörte ich hinter mir eine mächtige Stimme, die sprach: „Was du schaust, schreibe in deinen Blog und sende es den sieben Lesern der Pickelhaube.“ Da drehte ich mich um und siehe, ein junge Frau stand im Grase. In ihrer rechten Hand hielt sie ein zweischneidiges Schwert, ihr Angesicht aber war mild und hehr. Dann verwandelte sie sich und nahm an die Gestalt einer weißhaarigen Greisin, die sich auf eine metallene Gehhilfe stützte. Aber noch immer ein prangte ein schwarzer Adler auf ihrem wallenden Gewand. Und ich erschrak ob dieser wundersamen Erscheinung.  Sie aber wandte mir ihr vom Antifantenspeichel widerglänzendes Antlitz zu und redete also: „Markward, warum fürchtest du dich? Ich bin es, die Verkörperung deines Volkes. Siehe, ich will dir zeigen, was bald geschehen muss.“ Und ich hörte von oben eine Stimme rufen: „Er kann es“ und siehe, ich sah ein rotes Pferd und der darauf saß hielt eine große Peitsche. Und ihm ward alle Macht gegeben, hinwegzunehmen die selbstbestimmte Zukunft des deutschen Volkes. Ich hörte ihn sprechen: „Natürlich müssen die Deutschen zahlen: Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 49 %, Einführung der Vermögenssteuer, und Eurobonds für einen Zinssatz von 4 %.“ Das Pferd aber trug am Halse eine Plakette aus Messing, darauf stand ein rätselhafte Zahl, ein schreckliches Geheimnis. Wer aber Weisheit hat, entschlüssele die Zahl des Reiters. Und seine Zahl ist 8055100.

Die dunklen Andeutungen in der geheimen Offenbarung des Markward sind für exegetische Laien oft nur schwer verständlich.

Danach hatte ich ein weiteres Gesicht. „Ja Amen“, sprach die Germania, „ich nahm alle in mich auf, vom Taurus bis zum Atlas, von den Klippen Kamtschatkas bis zu den Katarakten des Nils, vom Euphrat und vom Orontes, die Leute des Landes Gedrosien, die von Turania und die von Libya.“ Und die Völker strömten herbei, in ihr zu wohnen, dennoch aber verödeten ihre Dörfer. Und obwohl sie alle aufnahm, hassten sie sie, spien ihr ins Angesicht und zehrten von ihrem Fleische.

Und siehe, ich sah einen titanisches Wesen emporsteigen aus dem Abgrund, das hatte viele Köpfe mit vielen Mäulern, die den Bewohnern des Landes unablässig Heilsbotschaften und Weltweisheiten verkündeten. So bringt es sie dahin, dass sie den Gesetzen der Herrscher dieses Äons folgen. Es ist dies aber der Dämon der Sozialtechnologie. Er offerierte mir ein aufgeschlagenes Büchlein, darin stand geschrieben: „Ersetzung der Ehrenkompanie der Bundeswehr durch Abordnungen von Menschen, die für die neuen gesellschaftlichen Verhältnissen in der BRD bzw. MSR (Mitteleuropäische Soziale Republik) bzw. Land Nr. 4 im Vereinten Europa repräsentativ sind.“ „Iss dies bitte auf“ sagte der Dämon. „Ich antwortete: „Ich möchte das Büchlein nicht aufessen, denn es enthält schwer verdauliches Neusprech-Gefasel.“  Doch der Dämon würgte mich, steckte mir das Büchlein in den Mund und zwang  mich also, es herunterzuschlucken.

SoSe 2011: Das dämonische Wesen der Sozialtechnologie offenbart sich am Aachener Weiher.

 

Und ich ward entrückt in das Berlin der Zukunft, das da heißt Stadt 17 im Vereinten Europa. Ich sah: Die Bundeskanzlerin und der Bundeskanzler empfingen den Herrscher des Landes Kusch. Doch nicht Soldaten waren angetreten zu Ehren des Staatsgastes. Es standen da Abordnungen der Bewohner des Landes, der Großen und der Kleinen, des Zentralrates der Musliminnen und Muslime, des muslimischen Rates, der Rentnerinnen und Rentner, der Ostrentnerinnen und Ostrentner, der Gewerkschaften, der Hartz IV-Empfängerinnen und Empfänger, der Männer, die von Lust zu anderen Männern entbrannt waren, und der Frauen, die andere Frauen begehrten, und so fort. Da sprach ich zu dem Dämon und fragte also: „Was hat es hiermit auf sich?“ Er antwortete: „Dies sind Abordnungen eines bunten, vielfältigen und total entspannten Deutschland, das sich selbst nicht so wichtig nimmt, für das es aber trotzdem Dinge gibt, die für die Menschen hier echt total wichtig sind.“

Und die versammelten Bewohner des Landes sangen ein neues Lied, das, wie mir der Dämon offenbarte, gemäß Beschluß des Bundestags dazu bestimmt ist, die alte Nationalhymne zu ersetzen. Es heißt: „Piep, piep, wir haben uns alle lieb“. Die anderen Vorschläge mit den Titeln „Wir wollen es auch nicht wieder tun“, „Wir entschuldigen uns, dass wir existieren“ und „Wir zahlen, bis wir umfallen“ waren nämlich abgelehnt worden. Ich aber erbrach das Büchlein. Da ergriff mich der Dämon und versetzte mich in eine noch fernere Zukunft.

Die geplante Abschaffung Deutschlands läßt viele Menschen nachdenklich werden.

Und siehe, ich sah, eine Schulklasse besuchte ein naturhistorisches Museum. Nach Figuren von Mammut, wollhaarigem Nashorn und Neandertaler erblickten sie endlich den Deutschen, ein über dem Bauche spannendes Hawaiihemd tragend, mit Sandalen in Strümpfen an den Füßen, ein Strohhut auf dem Kopf, den rechten Zeigefinger hoch erhoben, eine Bildzeitung unter die Achsel geklemmt, die in kapitalen Lettern verkündete: „Die Pleitegriechen wollen unser Geld.“ Unter der Figur war ein belehrendes Schild, darauf stand geschrieben: „Homo Germanicus Querulans †.“  Die Lehrerin der Gemeinschaftsschule sprach zu den Schülern in irgendeiner Sprache: „Diese Spezies war früher in unserer sozialen Republik Mitteleuropa beheimatet.“  Die Schüler aber machen sich darüber lustig.

Markward von Annweiler, 14. 11. 2011

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5 Antworten zu Die geheime Offenbarung des Markward

  1. Felix schreibt:

    Die Pickelhaube wieder und wieder in Bestform!

  2. alex schreibt:

    Also, das ist nun voellig bizarr – ABER ich habe genau dieselben Szenen in einem Nachtalb getraeumt, nur dass mich ein Mahr in Gestalt eines Hosenanzuges mit den Gesichtszuegen der „uschvonderleyen“ noch im Anschluss versuchte mit einer Exoprothese zu penetrieren.
    Uff.

  3. Thomas schreibt:

    Ihr seid geil, wenn Ihr in Form seid!

  4. Philipp schreibt:

    Manchmal wünschte ich eure Blogeinträge wären nur hirnloser geistiger Erguß, denn so bleibt einem das Lachen oft im (Stehkragen ummantelten) Halse stecken wenn man realisiert, dass vieles davon wahr ist in unserem Land.
    Dennoch: Weiter so!

    Gruß aus der Uni Freiburg

  5. Lurinil schreibt:

    Genial!

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