Ladendiebe schaffen Arbeitsplätze

Der Kölner AStA-Vorsitzende Jonas Thiele (Grüne Hochschulgruppe) hat es nicht leicht. Denn leider werden seine guten Absichten oftmals von missgünstigen Zeitgenossen fehlinterpretiert. Einige seiner jüngst veröffentlichten Thesen, u. a. „Ein Ladendieb schafft jede Menge Arbeitsplätze“, werden derzeit künstlich zum Skandal aufgebauscht: Die Kölner Hochschulgruppe Die Unabhängigen will Thiele nun zwingen, seine Thesen zu widerrufen. Von Ewald Knülle

AStA-Büro, November 2011: Die Unabhängigen wollen Jonas Thiele (linke Bildmitte, in schwarz) zwingen, seine Thesen zu widerrufen

Die Unabhängigen geben in der Anklageschrift ihrer Meinungsinquisition Jonas Thieles Thesen folgendermaßen wieder:

In einer Diskussion […] ging es darum, ob es prinzipiell möglich sei, Sozialstunden bei einem AStA abzuleisten. Jonas Thiele, 1. AStA-Vorsitzender der Uni Köln, erklärte in diesem Zusammenhang, dass dies zwar bis jetzt in Köln noch nicht praktiziert werde, aber durchaus eine Möglichkeit sei, das „repressive System“ des deutschen Rechtsstaats bei bestimmten Straftaten zu umgehen, indem man zu Sozialstunden Verurteilte Personen eine angenehme Tätigkeit im AStA biete.

Dabei denkt Thiele auch an Leute die wegen Ladendiebstahls verurteilt wurden: „Ein Ladendieb schafft jede Menge Arbeitsplätze, Wachstum und ermöglicht […] vielen anderen Menschen erst an der Gesellschaft teil zu haben.“ Weiter heißt es: „Ladendiebstahl stellt im Gegensatz zu beispielsweise unserem Steuersystem […] eine Umverteilung von oben nach unten“ dar. [Hervorhebung von mir – E. K.]

Offenbar stoßen sich die Unabhängigen an den reformatorischen Untertönen Thieles; sie meinen (siehe dazu die Anklageschrift), der campusgrüne Veganermönch sei als AStA-Vorsitzender untragbar, vermutlich, da er sich offen gegen die bestehende Glaubenslehre von Rechtsstaat und sozialer Marktwirtschaft ausspricht.

Angeklagt: Der Kölner AStA-Vorsitzende Jonas Thiele (Foto: Lucas Cranach d. Ä.)

Wir von der Pickelhaube begleiten den intellektuellen und publizistischen Werdegang Jonas Thieles schon seit geraumer Zeit und meinen sagen zu können: Der AStA-Vorsitzende strebt in der Tat eine Reformation der politisch-kulturellen Verfasstheit Deutschlands an und will mit Veganismus, Feminismus und marxistischer Befreiungstheologie neue Glaubensinhalte in die zivilreligiöse Lehre tragen. Seine Thesen aber entbehren nicht einer bestechenden Klarheit, einer philosophischen und theologischen Tiefe, die sie einfach gestrickten Zeitgenossen nicht sofort verständlich macht. Zum Glück gibt es ja uns! Wir können erklären, was hinter der These vom sozialverträglichen Ladendieb steht.

Bislang zuwenig geschätzt: Der Ladendieb hat eine wichtige Funktion. Er schafft jede Menge Arbeitsplätze, erzeugt Wachstum und sorgt für soziale Gerechtigkeit

Dazu aber braucht es einen historischen Exkurs, der unseren Lesern ausschweifend vorkommen mag. Aber, wie gesagt: Die Thesen Thieles sind von beachtlicher Gedankentiefe und nur dem intellektuell Ambitionierten verständlich. Also:

Im Jahre 1857 kam es in Indien zu schwersten Unruhen. Die Briten sprachen damals von einer „Meuterei“ der Sepoys, heutzutage neigen (insbesondere indische) Historiker eher dazu, die Geschehnisse als einen nationalen Unabhängigkeitskrieg zu deuten.

Jedenfalls gingen die Briten, sowie loyal gebliebene und verbündete Inder (u.a. die als zähe Soldaten bekannten Punjabis/Sikhs und Rajputs) und andere Hilfstruppen (Gurkhas, ebenfalls nicht als zimperlich verrufen) mitunter mit großer Härte gegen die Meuterer/Freiheitskämpfer vor. Nicht immer waren sie allzu wählerisch, was die Auswahl von Exekutionskandidaten anging. Daher ist anzunehmen, dass unter den Getöteten auch Ladendiebe waren.

In Anverwandlung einer traditionellen Entleibungsmethode der früher in Indien herrschenden Mogulfürsten begannen die Briten nun, die ihnen unerwünschten Ladendiebe vor Kanonen zu binden und artilleristisch zu entsorgen. Man darf hier mit Fug und Recht von interkulturellem Austausch bzw. von Bereicherung sprechen, denn diese Verfahrensweise war bislang im angelsächsischen Kulturraum ungebräuchlich.

1857 wussten die Briten noch, wie man Ladendiebe angemessen bestraft: Die hier abgebildeten Inder haben keine Möglichkeit mehr, das repressive System über Sozialstunden beim Kölner AStA zu umgehen

Das entscheidende ist nun: Würde man diese Methode auch hierzulande auf Ladendiebe anwenden, könnte man ja in der Tat viele Arbeitsplätze schaffen und eine Umverteilung von oben nach unten begünstigen. Es muss genau dieser (im folgenden noch zu erläuternde) Zusammenhang sein, den Thiele angesprochen hat – er will ganz offenbar Ladendiebe zum Wohle der Gemeinschaft entzweikanonieren lassen. Die Unabhängigen jedoch in ihrer Beschränktheit auf ordinärpragmatische Hochschulpolitik haben diesen philosophisch-historisch-volkswirtschaftlichen Gedankengang nicht nachvollziehen können. Wie aber stellt sich der AStA-Vorsitzende die sozial wohltuende Wirkung des Ladendiebstahls im Detail vor?

Ganz einfach. Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Im Uni-Kiosk am Philosophikum wird ein Ladendieb bei der Entwendung eines Snickers-Riegels ertappt. Zu seiner Bestrafung nach wohlerprobt britischem Verfahren würden nun benötigt: Eine Kanone, und das heißt im Jahr 2011: eine Panzerhaubitze 2000, bedient von einem Geschützführer, einem Kraftfahrer, einem Richtschützen und zwei Munitionskanonieren. Neben den fünf Soldaten benötigte man noch einige Reinigungskräfte, um nach erfolgtem Abschuss Fahrzeug und Umgebung wieder in ansehlichen Zustand zu versetzen. Überdies darf ja der scharfe Schuss mit der Haubitze nicht etwa in der Kölner Innenstadt, sondern nur auf speziellen Schießplätzen erfolgen – es bräuchte also eigens einen solchen Schießplatz samt Funktionspersonal.

Angesichts der hohen Zahl an Ladendiebstählen könnte allein die Stadt Köln auf diese Weise mindestens drei Panzerartillerie-Bataillone, einen größeren Übungsplatz und zwei mittelständische Reinigungsunternehmen mit Arbeit versorgen! Die für viele Gemeinden wirtschaftlich so wichtigen Bundeswehr-Standorte blieben erhalten und sicherten jeweils den Wohlstand der gesamten Region. Schließlich würde der steigende Bedarf an Haubitzen-Ersatzteilen sowie der hohe Munitionsverbrauch (der die Briten schließlich andere Entleibungsverfahren nutzen ließ) unserer Rüstungsindustrie enorm zugute kommen und dort ebenfalls zahlreiche Arbeitsplätze sichern. Ladendiebe können also in der Tat Arbeitsplätze schaffen – seine Aussage hat Jonas Thiele sehr genau durchdacht.

Angeklagter: Wegen Ladendiebstahls verurteile ich sie hiermit zum Tode durch die Haubitze.

Was ist aber mit der Umverteilung von oben nach unten? Nun – die benötigten Arbeitsplätze sind ja hauptsächlich solche, die aus Steuergeldern finanziert werden: Soldaten werden vom Staat bezahlt, die Rüstungsindustrie ist hochgradig subventionsabhängig. Das Steueraufkommen aber wird traditionell zu einem guten Teil von der Minderheit der Besserverdienenden aufgebracht. Diese reichen Bonzen zahlen also Steuern, und die Profiteure sind im hier diskutierten Fall ja vorwiegend Geringverdiener (i.e., Mannschaftsdienstgrade, Reinigungskräfte und Industriearbeiter). Insofern gilt: Ladendiebe sorgen für eine Umverteilung gesellschaftlichen Wohlstands von oben nach unten. Dies stärkt Massenkaufkraft und Konsum (Geringverdiener haben eine niedrige Sparquote) und begünstigt damit die Binnenwirtschaft. Insofern hätten wir alle etwas gewonnen – wie Jonas Thiele sehr wohl weiß.

Wir also sagen: Widerrufe nicht, Jonas! Die Zukunft wird sich deiner als eines großen Denkers und Reformators erinnern. Ladendiebe schaffen Arbeitsplätze!

Ewald Knülle, 26. 11. 2011

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7 Antworten zu Ladendiebe schaffen Arbeitsplätze

  1. Lothar von Schwurbelitz schreibt:

    Danke für so manchen Lacher – wenn auch mit einem weinenden Auge.

    Ich bin allerdings erstaunt, dass es hier nicht vor Schmähkommentaren wimmelt. Werdet ihr „links“ nicht zur Kenntnis genommen? Oder kann man mit dem Niveau nicht umgehen? Erfahrungsgemäß (andere „Plattformen“) lassen Antworten ja nicht lange auf sich warten und bleiben selten singulär.

    Grüße!
    Lothar von Schwurbelitz

    • immhoff schreibt:

      Verehrter Herr von Schwurbelitz,

      vielleicht halten die hiesigen Uni-Linken eine Wortmeldung bei uns für Zeitverschwendung. Dabei haben wir den von uns kritisierten Gruppierungen zugesichert, dass wir eine von ihnen angefertigte Gegendarstellung veröffentlichen würden (siehe „Auf der Suche nach dem verlorenen Grün“). Dieses Angebot steht, gerade auch, da wir ja die ein oder andere Person mit Klarnamen nennen – die Glücklichen sollen die Möglichkeit haben, sich vor unserem Lesepublikum zu verteidigen.

      Ich vermute aber, dass die Betreffenden noch gar nicht von uns Notiz genommen haben – wäre durchaus möglich, weil wir nicht wie die diversen Antifa-Linksjugend-Spaßguerilla-Truppen massig studibeitragsfinanzierte, papierne Propaganda in der Mensa auslegen. Von unserer Existenz werden wohl nur wenige Menschheitsexemplare überhaupt wissen.

      So traurig das ist – die Pickelhaube ist kein Kölner Leitmedium, sondern nur ein unbedeutender böser Hassblog. Wenn Sie für uns bitte eine Mitleidsträne vergießen würden.

      Unter Tränen
      Ewald Knülle

  2. Eine Mitteilung an den Staatsschutz Köln über Eure volksverhetzenden Tätigkeiten wurde soeben gemacht.

    Wir kriegen Euch alle!

    • immhoff schreibt:

      Eine Mitteilung an die Antifa Köln über ihre staatsschützenden Tätigkeiten wurde soeben gemacht.

      „Volk“ und „Staat“ sind doch Konstrukte nationalistisch-imperialistischer Agitateure! Sie widern uns an.

    • Erich von Ulenheinsensack schreibt:

      Hehe, also die Meldung würde ich ja zu gerne mal lesen und mir ebenso wie der „Leitungsstab Köln“ die Tränen aus den Augen wischen…

  3. TORTUGA schreibt:

    Einfach zu köstlich, sind die Studi Linken in Köln wirklich solche hysterischen Kleinkinder wie der Leitungsstab da oben oder sind das Fake Einträge?
    Übrigens sehr schade, das ihr aufgehört habt.

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