Pickelhaube aktuell: StuPa-Wahl für 2012 (II)

Der von WordPress zur Verfügung gestellteten Besucherstatistik entnehmen wir mit Bestürzung, Abscheu, Wut und Trauer, dass die meisten Leser durch die Suchanfrage „Sahra Wagenknecht nackt“ auf unsere Seite gelangen. Wir wollten deshalb diesen Artikel zunächst „Sahra Wagenknecht nackt bei den Aktionstagen gegen Homophobie und Sexismus“ nennen. Weil dies nicht nur unwahr, sondern auch sexistisch wäre, haben wir davon Abstand genommen. Allzu oft wird ja in den Medien auf das gute Aussehen der Frau Wagenknecht hingewiesen, worunter sie bestimmt sehr leidet.

Die "Pickelhaube" wird meist nur wegen der erotischen Fotos von Sahra Wagenknecht (hier im Bild zusammen mit Oskar Lafontaine) angeklickt.

Um also Buße zu tun für all die „sexistische Kackscheisse“ auf unserer Seite, veröffentlichen wie hiermit den Wahlaufruf einer antisexistischen Hochschulgruppe.

Hinweis: Es folgt im Kontext der Kölner StuPa-Wahl für 2012 eine Wahlwerbung der „Anarchofeministischen Hochschulgruppe zorniger Lesben, Schwulen und Transgender“ (AFHzLST, Hochschulzürndende). Für den Inhalt dieser Wahlwerbung ist einzig die genannte Hochschulgruppe verantwortlich.

Genoss_innen! Student_innen!

Wir, die Anarchofeministische Hochschulgruppe zorniger Lesben, Schwulen und Transgender (AFHzLST, Hochschulzürndende), sehen uns in der Tradition proletarischer und sozialistischer Bewegungen. Dennoch kommen wir nicht umhin, die sogenannten „linken“ Hochschulgruppen und den gegenwärtigen AStA für seine mangelnde Berücksichtigung der genderspezifischen Problemfelder zu rügen. Die Ungleichbehandlung von Homosexuellen, Transgendern und Frauen in patriarchal-kapitalimperialistischen Gesellschaft der BRD wird von den Macho_innen im derzeitigen AStA anscheinend noch immer als „Nebenwiderspruch“ gesehen. Darum wollen wir den antisexistischen Kampf intensivieren und stellen die folgenden Forderungen:

Aufstockung des Budgets der Autonomen Referate

Das Studierendenparlament hat im Haushaltsjahr 2010/2011 dem „Autonomen Frauen und Lesben Referat“ nur 6416 Euro überwiesen, und das „Autonome Lesben und Schwulenreferat „erhielt im besagten Haushaltsjahr schlappe 6500 Euro! Soll etwa mit einem Kleckerbetrag von knapp 13000 Euro  dem allgegenwärtigen  heteronormativem Terror an der Kölner Uni begegnet werden? Wir fordern deshalb: Mit der chronischen Unterfinanzierung dieser eminent wichtigen Referate muss Schluss sein! Nur durch korrektes gender-budgeting mit ausreichender  Mittelzuweisung können „heteronormative Strukturen und Hierarchien“ nicht nur „kritisch“ hinterfragt, sondern auch aktiv bekämpft werden (1). Die beiden Referate müssen deshalb jeweils mindestens 13000 Euro erhalten.

Einrichtung eines „Autonomen Referats der Trans-, Gender-, Homo-, Multikulti-, Antirassist_innen“!

Zwei autonome Referate, die sich gegen Sexismus und  für Homo-, Bi- und Transsexuellenrechte einsetzen, sind bei weitem nicht genug. Außerdem thematisiert das „Autonome Frauen- und Lesbenreferat“ angesichts der derzeitig aktuellen Dekonstruktion von Zweigeschlechtlichkeit genderspezifische Aspekte nicht im ausreichenden Maße, wie ein Blick auf die Seite ihres Autor_innenkollektivs lehrt. Ferner wird viel zu selten darauf hingewiesen, das geschlecht* nur ein soziales Konstrukt ist. Und obwohl doch mittlerweile jeder/m klar sein müsste, dass geschlecht* nur eine kulturelle Lüge des sexistischen und homophoben BRD- Kapitalismus ist, folgen die meisten Student_innen an der Kölner Uni noch immer den Verhaltensmustern des gesellschaftlich aufoktroyierten Musters der Zweigeschlechtlichkeit!   Wir fordern deshalb die Einrichtung eines eigenen „Autonomen Referats der Trans-, Gender-, Homo-, Multikulti- und Antirassist_innen“!

Eine Frauen- und Lesbengruppe reicht bei weitem nicht aus!

Weg mit den Stehpissern!

Angeblich gehen aufgrund ihrer unterschiedlichen Anatomie  frauen* zum Urinieren in die Hocke, während männer* im Stehen urinieren.  Die Ansicht, dass beim Toilettenbesuch der „Geschlechterunterschied“ biologisch und nicht gesellschaftlich verursacht sei, zeugt jedoch von unterentwickeltem gesellschaftlichem Bewußtsein. Darum fordern wir die Installierung von Unisextoiletten ohne Pissoirs in der ganzen Universität. Denn wenn männern* gestattet wird, im Stehen zu urinieren, kultivieren sie ihre Überlegenheitsgefühle, und patriarchale Herrschafts- und Ausbeutungsstrukturen werden perpetuiert.

Geschlechtneutrale Speicherung der Student_innen in KLIPS!

Indem Student_innen im Online-Verwaltungssystem KLIPS immer noch unter *weiblich* und *männlich* gespeichert werden, legt man(n) sie auf ihre gesellschaftlich aufoktroyierte Rolle als männer* oder frauen* fest und unterwirft sie der „Zweigeschlechtlichkeit“ und Zwangsheteronormativität. Damit unterliegen sie stillschweigend dem Zwang, weiter sogenannte kinder* zu erzeugen, deren fortgesetzte, obrigkeitlich verordnete Produktion im Interesse von Rentenkasse und Arbeitsmarkt nur der Aufrechterhaltung des kapitalistischen Systems dient. Die Geschlechtsorgane der Student_innen werden somit zu Exekutivorganen der herrschenden patriarchal-kapitalistischen Ausbeuterklasse degradiert.

Geschlechtergerechtes und antinationalistisches Essen in der Mensa!

Wenn in den Speiseplänen des Kölner Studentenwerks Gerichte wie „Scharfes Zitronenhühnchen“ und „Kartoffelpuffer“ angeboten werden, so spiegelt dies die Funktion von Frauen und Mädchen als Sexobjekte in einer männlich dominierten Gesellschaft wieder. Auch bei Gerichten wie „*MSC zertifiziertes Seelachsfilet‚ Pariser Art“ und  „Zarter Tafelspitz“ sind die sexuellen Anspielungen unüberhörbar. Ferner können durch Speisen wie „Königsberger Klopse“ und „Krakauer“ unter den Student_innen nationalistische Revanchegelüste geweckt werden. Deshalb ist der Verkauf von sexistischen und nationalistischen Speisen in allen Mensen und Cafeterien an der Kölner Universität zu unterbinden.

Fleischgewordener Revanchismus: die Königsberger Klopse

Keine Korporationsverträge mit Unternehmen ohne Quotenregelung!

Das versteht sich ja wohl von selbst. Man/frau/transgender kann nicht einseits den Sexismus bekämpfen wollen, und andererseits Korporationsverträge mit Unternehmen schließen, die von reaktionären männer*-Riegen gelenkt werden.

Verbot sexistischer Werbung an der Uni!

Immer wieder präsentieren Aushänge von Unternehmen und öffentliche Institutionen Menschen mit eindeutiger geschlechtlicher Identität. So wird den Betrachter_innen eine angeblich „natürliche“ Heteronormativität vorgegaukelt. Auch die kommerzielle Werbung überschüttet uns mit sexualisierten Bildern, die zum Konsum verleiten sollen.  Wenn aber gleichförmig durchtrainierte, einem bestimmten Schema folgende Körper den Betrachter_innen dargeboten werden, wird der Mensch selbst zur Ware gemacht. Im Rahmen der Aktionstage gegen Homophobie und Sexismus dürfen allerdings auch weiterhin homoerotische Softpornos mit durchtrainierten *boys* gezeigt werden, weil dies der sexuellen Emanzipation dient.

Durchsetzung gerechter Sprache in allen Bereichen der Uni!

Die von  campus:grün erhobene  Forderung nach „konsequenter Ahndung rassistischer, antisemitischer sexistischer und homophober  Äußerungen von Dozent_innen“ reicht nicht aus. Wir fordern deshalb die Schaffung eines vom Studierendenparlament mit ausreichenden Mitteln auszustattenden autonomen Überwachungsreferats, das dafür sorgt, dass Dozent_innen, die solcher Äußerungen verdächtig sind, gegebenenfalls von der Universität entfernt werden können. Die konsequente Säuberung der Sprache von nicht-gendergerechten Begrifflichkeiten darf sich aber nicht auf die Dozent_innen beschränken. Student_innen, die z.B. vater* und mutter* statt elter sagen, sollten exmatrikuliert werden.

Einführung von Lehrstühlen für Genderstudies!

Auf der für Juni 2012 geplante Konferenz „Immer beweGENDER: Transformationen (in) der Geschlechterforschung Universität zu Köln“ soll die Gründung eines fakultätsübergreifenden Zentrums für Gender Studies angebahnt werden (2). Warum dann nicht gleich mehrere Leerstühle einrichten? Köln, das ohnehin auf eine lange Tradition in queer theory and practice zurückblickt, könnte somit zum internationalen Leuchtturm in der Geschlechterforschung werden. In der Folge würden lesbischwule Aspekte in Forschung und Lehre endlich angemessen gefördert.

Schluß mit Biologismus in der Biologie!

Auch die Naturwissenschaften müssen vom Sexismus gereinigt werden. Immer noch finden sich in der Biologie Behauptungen wie diese: Sexualität bedeute zunächst, dass zwischen zwei Lebewesen genetisches Material ausgetauscht und damit neu kombiniert werde. So seien im Laufe der Evolution auf Fortpflanzung spezialisierte Zellen, die sogenannten „Geschlechtszellen“ entstanden, die das mütterliche* beziehungsweise das väterliche* Erbgut enthielten. Durch die Vereinigung dieser Zellen würden „Nachkommen“ hervorgebracht, von denen jedes eine einzigartige Kombination von Genen beider „Eltern“ aufweise. Dazu hat aber  das Autonome Frauen- und Lesbenreferat längst zutreffend festgestellt, dass auch „sex“ gesellschaftlich „konstruiert“ ist und „auch aus biologischer Sichtweise“ „nicht von eindeutig männlichen* oder weiblichen* Körpermerkmalen gesprochen werden“ kann.

Deine Uni ist kein Platz für Sexismus! Wähle deshalb die „Anarchofeministische Hochschulgruppe zorniger Lesben, Schwulen und Transgender“ (AFHzLST, Hochschulzürndende)!

(1)   S. Genderspezifische Veranstaltungen, hg. v. der Gleichstellungsbeauftragten der Universität zu Köln, Oktober 2011, p. 3.

(2)   S. ebenda, p. 13.

Hinweis: Dies war im Kontext der Kölner StuPa-Wahl 2012 eine Wahlwerbung der Hochschulgruppe „Anarchofeministische Hochschulgruppe zorniger Lesben, Schwulen und Transgender“ (AFHzLST, Hochschulzürndende). Für den Inhalt dieser Wahlwerbung ist einzig die genannte Hochschulgruppe verantwortlich.

 Für die Redaktion

Markward von Annweiler, 1. 12. 2011.

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5 Antworten zu Pickelhaube aktuell: StuPa-Wahl für 2012 (II)

  1. netdna schreibt:

    Danke…ganz grosses Kino… you made my day!

  2. Dennis schreibt:

    Sehr schön.

    Bester Gruß

    Dennis

  3. Felix schreibt:

    Das ist ja furchtbar anstrengend vor lauter Authentizität…

  4. stuekkwerk schreibt:

    Und Schimpansen & deren Meinung zählen bei euch reaktionären Fuzzis wohl gar nichts

  5. zwille schreibt:

    sich selbst kommentare schreiben kann jeder.
    armleuchter!

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