Pickelhaube aktuell: StuPa-Wahl für 2012 (III)

Liebe Leser_innen,

wie ihr ja wisst, finden demnächst an der Uni wieder StuPa-Wahlen statt. Viele der zur Wahl stehenden Hochschulgruppen allerdings sind den meisten Student_innen noch unbekannt, weil, wie der AStA-Vorsitzende Jonas Thiele sehr richtig festgestellt hat, die Tagesschau nicht über den universitären Wahlkampf  in der Domstadt berichtet. Wir von der Pickelhaube wollen dem Abhilfe verschaffen und bieten auf unserer Seite allen interessierten Hochschulgruppen eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung. Bitte informiert euch gründlich und geht auf jeden Fall wählen! Die Redaktion

Heute: Liste 47: Hochschulgruppe rechtsstaatlicher Offensive (HRO)

Hinweis: Es folgt im Kontext der Kölner StuPa-Wahl 2012 eine Wahlwerbung der Hochschulgruppe „Hochschulgruppe rechtsstaatlicher Offensive“ (HRO, Zucht-und-Ordnung-Gruppe). Für den Inhalt dieser Wahlwerbung ist einzig die genannte Hochschulgruppe verantwortlich.

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Verehrte Kommilitoninnen und Kommilitonen!

Zucht und Ordnung für alle!

Schon Platon wusste: Von entscheidender Bedeutung für das Wohl eines jeden Gemeinwesens ist die Gerechtigkeit. Gerechtigkeit innerhalb eines Gemeinwesens aber kann nur dann verwirklicht werden, so Platon, wenn jeder einzelne sie bereits in sich trägt – nicht die Institutionen, sondern die Individuen machen eine Gesellschaft gerecht. Was aber ist mit der Gerechtigkeit der Individuen in unserem Gemeinwesen, in der Uni Köln?

Täglich werden wir Zeuge der abscheulichsten Verbrechen. So wird beispielsweise die Schließfachordnung fast durchgängig ignoriert; wer einen Kommilitonen darauf hinweist, dass es verboten ist, sich ein Schließfach dauerhaft zu reservieren, kommt mit dem Kommentar „Regelnazi“ noch gut davon. In den Bibliotheken werden Bücher entwendet bzw. versteckt und private Handapparate angelegt. In der Mensa zählt der Diebstahl von Besteck gewissermaßen zum guten Ton. Wer die Toiletten besucht, wird feststellen, dass Sachbeschädigung offenbar zum Kavaliersdelikt avanciert ist, die Benutzung der Klobürste hingegen nicht mehr als wertvolle Kulturtechnik des Abendlandes gehandelt wird. Dies kann für jedes Gemeinwesen nur zerstörerisch sein.

In jedem Gemeinwesen ist die Gerechtigkeit des Individuums von entscheidender Bedeutung

Schamloser Sozialdarwinismus macht sich breit – wo keinerlei Regeln mehr gelten, da ist der Stärkste, Dreisteste, Rücksichtsloseste im Recht.

Daraus kann nur eines folgen: Wir brauchen an der Uni Köln ein verbindliches Regelsystem. Denn wenn wir das Individuum wieder der Regeltreue und damit der Gerechtigkeit zuführen wollen, braucht es den Umweg der Institution: Ein kollektiv verbindliches Regelsystem, das nicht intrinsisch verankert ist, kann auf Dauer nur bestehen, wenn Regelverstöße konsequent von außen sanktioniert werden.

Ein Regelsystem kann auf Dauer nur bestehen, wenn Verstöße auch sanktioniert werden

Hier bedarf es in erster Linie einer schneidigen Blutgerichtsbarkeit: Die Abschreckungswirkung einer öffentlich ausgeführten Körperstrafe ist nicht zu unterschätzen. Doch geht es uns keineswegs primär um die Bestrafung als Strafe und Strafandrohung; vielmehr ist auf die wohltuende Wirkung der Strafe für den einzelnen und für das Ganze hinzuweisen.

Zunächst ist ja jede Strafe individualpsychologisch wertvoll: Der Vollzug bringt den Täter erst dazu, über Konsequenzen des eigenen Handelns nachzudenken. Der Bestrafte ärgert sich über sich selbst und wird in Zukunft jene Handlungen vermeiden, die zur Bestrafung führten: Er durchläuft einen Lernprozeß.

Der Vollzug einer Strafe bringt den Täter dazu, über Konsequenzen des eigenen Handelns nachzudenken: Ein Lernprozeß wird initiiert

Vor allem aber wird im öffentlichen Vollzug der Strafe jenes Wertesystem reproduziert, das der Gemeinschaft zugrundeliegt. Die anwesende Öffentlichkeit nämlich ist nicht nur passiver Rezipient, sie ist in gewissem Sinne auch aktiver Teilnehmer des Strafvollzugs: Durch ihre Anwesenheit verkörpert sie die Gemeinschaft und ihre Zustimmung und macht die Strafe in symbolischer Form erst rechtmäßig. Jeder einzelne Anwesende bekundet implizit (ggf. auch unbewusst) mit seiner Zeugenschaft, dass er den zugrundeliegenden Wertekonsens mitträgt. Die Strafe hat also immer auch eine kollektivpädagogische und ordnungsstiftende Funktion; sie bindet alle Anwesenden in eine Wertegemeinschaft ein.

Die anwesende Öffentlichkeit ist nicht nur passiver Rezipient, sie ist in gewissem Sinne auch aktiver Teilnehmer des Strafvollzugs

Würde man nun auf dem Albertus-Magnus-Platz ein Schafott errichten und dort regelmäßig Körperstrafen für Schließfachbesetzung, Klobürstennutzungsverweigerung und bibliotheksordnungswidriges Bücherhorten ausführen, wäre unserem universitären Gemeinwesen hervorragend gedient. Über diese institutionellen Bestrafungen nämlich würde in allen Studenten und Dozenten erneut ein individuelles Bewußtsein gestärkt, dass Regeln etwas menschendienliches, dass Rücksichtnahme ein hohes Gut, dass die Klobürste eine zivilisatorische Errungenschaft ist. Die Individuen würden wieder Gerechtigkeit im Herzen tragen, und somit, ganz gemäß platonischer Staatslehre, das Wohl des Gemeinwesens ermöglichen.

Ausgehend von diesen Überlegungen kann es also für eine anspruchsvolle Hochschulpolitik nur einen Weg geben: Wir brauchen keine Gemüsekiste, keine Fahrradwerkstatt, kein festival contre le racisme und ähnlichen unnötigen Firlefanz. Wir brauchen ein klares Regelsystem mit Sanktionsapparat! Wir brauchen handfeste, institutionalisierte Gerechtigkeit in Form eines Schafotts und einiger tüchtiger Henkersknechte, kurzum, wir brauchen eine rechtsstaatliche Offensive, um die Individuen wieder gerecht zu machen.

Wollt ihr Gerechtigkeit, Kommilitoninnen und Kommilitonen, dann wählt uns: Die Hochschulgruppe rechtsstaatlicher Offensive (HRO, Liste 47)!

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Hinweis: Dies war im Kontext der Kölner StuPa-Wahl 2012 eine Wahlwerbung der Hochschulgruppe „Hochschulgruppe rechtsstaatlicher Offensive“ (HRO, Zucht-und-Ordnung-Gruppe). Für den Inhalt dieser Wahlwerbung ist einzig die genannte Hochschulgruppe verantwortlich.

Für die Redaktion

Ewald Knülle, 7. 12. 2011

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2 Antworten zu Pickelhaube aktuell: StuPa-Wahl für 2012 (III)

  1. Pantau schreibt:

    Eine zumindest konsistente Ideologie: Am Anfang jedes (guten) Grundlagenseminars zur Mitarbeiterführung lernt die angehende Führungskraft den Satz: „Was geduldet wird, wird zur Regel!“ – im positiven und negativen Sinne und ganz unabhängig von jeder geschriebenen Vorschrift.

    Dies wird im Übrigen an deutschen Schulen besonders deutlich, wo es zwar so etwas wie offizielle Regeln gibt, jede taugliche Form der Durchsetzung jedoch mittlerweile verboten ist. Meine Frau ist Oberstudienrätin und ich bin Führungskraft in einem größeren Konzern. Wenn bei ihr jemand zum Schaden der Mitschüler über die Stränge schlägt, dann darf sie schimpfen – wenn bei mir jemand zum Schaden seiner Kollegen und seines Betriebes über die Stränge schlägt, dann gibt es eine Abmahnung und danach die Papiere – diese Methode funktioniert komischer Weise irgendwie besser.

    „Mobbing“ durch die Kollegen, Mitschüler oder Kommilitonen ist im Übrigen eine sozial äußerst sinnvolle informelle kulturelle Errungenschaft zur schnellen Korrektur von Fehlverhalten und reduziert zudem viel Arbeit und Papierkram von Führungskräften. Das nannte man früher „soziales Korrektiv“ und wo dieser Kulturaspekt besonders gut entwickelt ist, benötigt man viel weniger Überwachung. Mein Großvater warb z.B. in den Sechzigern als Direktor eines holzverarbeitenden Betriebes immer nur Gastarbeiterteams aus dem jeweils selben griechischen Dorf an, da in Kombination mit dem sog „Gruppenakkord“ jene „soziale Kontrolle“ unglaublich effektiv funktionierte. Man muss eben auch strukturell dafür sorgen, dass solche Mechanismen greifen können.

    Dieser Aspekt der informellen Regelüberwachung durch soziale Kontrolle hätte man noch mit einbringen können, sonst eine gelungene Darstellung einer netten politischen Alternative zum linken Einheitsgesocks.

    • immhoff schreibt:

      Ein guter Einwand, die Wirksamkeit der Sozialkontrolle ist in der Tat nicht zu unterschätzen. Das von Ihnen genannte Beispiel erinnert mich an ein ganz ähnliches: Einst las ich ein Buch über die schottischen Hochland-Regimenter des britischen Heeres im 18. und 19. Jahrhundert. Die Hochländer genossen – nicht umsonst – den Ruf äußerst zäher Soldaten. Ihre hohe militärische Schlagkraft erklärte der Autor folgendermaßen: Der soziale Druck in ihren Heimatdörfern, durch Verwandte und Bekannte, würde sie gewissermaßen zwingen, im Einsatz bis zum Äußersten zu gehen, weil sie bei einer Rückkehr ohne militärische Lorbeeren quasi den sozialen Tod stürben. (Soviel auch zum Argument, Militarismus und Gewalt gingen immer von Männern aus).

      Im Übrigen verbitte ich mir den Ausdruck „Einheitsgesocks“. Wir haben hier an der Uni eine wahrlich bunte Vielfalt an linken Gruppierungen, von Grünen über Jusos, Dutschke-Epigonen, Antifa-Rebellenclowns, Seht-alle-her-ich-bin-schwul-Leute, Anti-dies und Anti-das-Gruppen, Müslis, Feministinnen bis hin zu Trotzkisten und orthodoxen Marxisten (die noch heute in der Mensa einen Aufruf zur Vereinigung des internationalen Proletariats hinterlegt haben, sehr amüsant). Die Gemäßigten sind rationalen Argumenten durchaus zugänglich. Es handelt sich also, wenn überhaupt, um Vielfaltsgesocks.

      Gruß
      E. K.

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